Sag ja nicht die Wahrheit!

Abgründig, berührend, aktuell: Der Roman „Ohrfeige“ des 1973 in Bagdad geborenen Abbas Khider liest sich wie ein höchst literarischer Kommentar zur gegenwärtigen Flüchtlingskrise.

Der aus dem Irak stammende deutsche Autor Abbas Khider hat einen Roman über das Schicksal eines Flüchtlings aus dem Irak geschrieben. Obwohl die Handlung meist im Deutschland der Neunziger- und frühen Zweitausenderjahre spielt, ist das Buch hochaktuell. Vieles, was darin geschildert wird, passiert heute genauso oder ähnlich, und in Zeiten der Krise und einer permanent und immer unerbittlicher geführten Flüchtlingsdebatte bietet der Buchinhalt sowohl „besorgten Bürgern“ als auch sogenannten Gutmenschen genügend Stoff, um ihre jeweiligen Standpunkte zu untermauern. Wer die Flüchtlinge für integrationsunwillig und gefährlich hält und für geschlossene Grenzen eintritt, wird sich durch manches im Roman genauso bestätigt fühlen wie jene, die alle Schutzsuchenden nur als Opfer sehen. Doch Khiders Buch ist differenziert und vielschichtig, irritierend, teils poetisch, teils abgründig, berührend, derb oder bitter-ironisch. Es bedarf einer einfühlsamen Lesart, einer Empathie für die Figuren, nach der Fähigkeit unter die Oberfläche zu schauen, statt vorschnell scheinbar naheliegende Schlussfolgerungen zu ziehen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2016)

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