Vor dem Tribunal des Vaters

„Nirgendwo im Haus meines Vaters“: Mit ihrem autobiografisch getönten Roman beschreibt die Algerierin Assia Djebar die Liebe einer Frau zu ihrer Heimat und die Unmöglichkeit, als Frau darin Heimat zu finden. Berührend.

Verschüttete Stimmen suchte die Autorin, Filmemacherin und Historikerin Assia Djebar stets in ihren literarischen Werken und Filmen zu bergen und zu Gehör zu bringen, Stimmen von Frauen, die in ihrer Heimat Algerien im mehrfachen Sinn des Wortes „verhüllt“ waren: ihre Körper durch den Schleier versteckt vor den Augen Fremder, ihre Geschichten verborgen, weil sie nie Schrift wurden, und weil es für eine Frau verpönt war, öffentlich ihre Stimme zu erheben. Kein Wunder, dass Djebar, die ihre Bücher auf Französisch schreibt, jener Sprache, die sie mit „Beau de l'air“ und Literatur in Berührung gebracht hat, mit der Paronomasie zwischen „J'ecris“ (ich schreibe) und „Je crie“ (ich schreie) arbeitet: Dem Schrei entspricht das Schreiben als ein Akt des Widerstandes, des Öffentlichwerdens, des Aufbegehrens, des Heraustretens.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)

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