Der König des Gemetzels

Was Film zu erzählen vermag, davon berichtet der deutsche Regisseur Dominik Graf in dem Band „Schläft ein Lied in allen Dingen“. Emotional und engagiert schreibt er über inter-nationales Kino, das er schätzt.

Schon der Prolog ist herzzerreißend. Ein Mädchen wartet an einem Herbstabend in einem Pariser Café auf ihren Freund. Sie ist zu dünn angezogen. Ihren Wintermantel hat das Paar versetzt. Ihr Freund, ein Boxer, hat den gestrigen Kampf verloren, am Morgen sind sie heimlich samt Gepäck aus der Pension geschlichen, weil sie nicht zahlen konnten. Nicht einmal ein Getränk kann sich das Mädchen leisten, während sie sehnsüchtig den Gehsteig hinunterblickt – und nicht sieht, dass ihr Freund seinen Koffer hinter der Theke abholt. Und im Auto wegfährt, für immer. „Sie sieht so schutzlos aus“, schreibt Dominik Graf, „als die Geschichte sie verlässt – als die Kamera grußlos mit einem Blick aus dem dunklen Taxi an ihr vorüberfährt...“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2010)

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