8000 Granaten und kein Held

Melinda Nadj Abonji erzählt von Erwartungen und von Menschen, die diese nicht erfüllen können oder wollen. Der Jugoslawienkrieg als Nährboden für das Scheitern und Folie für die Geschichte einer Diskriminierung.

Der Roman „Schildkrötensoldat“ erzählt die Geschichte von Zóltan, der als Bäckerlehrling so verprügelt wurde, dass er wenig später „wie ein Mehlsack“ bewusstlos vom Rücksitz des väterlichen Motorrades fällt. Dieser Tag sei, so der Vater wiederholt, der Anfang vom Ende gewesen, denn da habe bei Zóltan „das Zittern angefangen“. Die Sprache eines medizinischen Gutachtens beschreibt sein Verhalten als „infantil und für andere unerklärlich“. Die Geschichte seines Andersseins, seiner Einberufung in die Jugoslawische Volksarmee und seines Todes wird aus zwei Perspektiven erzählt: jener Zóltans und der seiner Cousine Anna, die in der Schweiz lebt. Nach dem Tod ihres Cousins fährt sie zurück in ein Zwischenland, das einmal Jugoslawien war und heute Serbien ist, um zu erkunden, wann Zóltans Sterben begonnen hat.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2018)

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