„Ich bin ganz rot geworden“

„Wir sind auf der Bank gesessen und ich habe so furchtbar gezittert“, schrieb Ingeborg Bachmann zu ihrer Romanze mit Jack Hamesh. Die Briefe an den englischen Soldaten sind ihrem „Kriegstagebuch“ beigegeben. Ein frühes Zeugnis ihres Schreibens gegen den Krieg.

In den ersten Friedenstagen des Jahres 1945 lernt die 18-jährige Ingeborg Bachmann einen englischen Soldaten kennen, der ihr auf den ersten Blick „klein und eher hässlich“ erscheint. Und doch wird keine Begegnung sie in ihrem innersten Wesen mehr
erschüttern und so folgenreich für ihren Selbstentwurf als Frau, Dichterin und Österreicherin werden wie diese. Jack Hamesh war nur sieben, acht Jahre älter als sie und von der britischen Armee gerade zur Field Security Section ins Gailtal abkommandiert worden, als sie in sein Amt in Hermagor trat, um bei der Besatzungsbehörde einen Ausweis zu beantragen. Der kleine hässliche Soldat spricht Deutsch mit Wiener Akzent, und als sie die Frage bejaht, beim Bund Deutscher Mädchen gewesen zu sein, gibt er ihr barsch zu bedenken, ob sie es dort nicht vielleicht doch bis zur Gruppenführerin gebracht habe. Kaum hat sie das mit Recht verneint, bemerkt sie eine erstaunliche physische Reaktion an sich: „Ich glaube, ich bin ganz rot geworden und vor Verzweiflung noch röter. Es ist ganz unverständlich, warum man auch rot wird und zittert, wenn man die Wahrheit sagt.“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2010)

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