Der Schuh, mit dem man nicht flüchten kann

Detailreich: Anne Sudrow über die „Schuhpolitik“ in der NS-Zeit.

Hier waren sie plötzlich wieder: die Schuhberge, wie wir sie zuletzt in den Gedenkstätten der Konzentrationslager gesehen haben. Im November 2010 wurden sie in der Schweiz als Demonstration gegen die „Ausschaffungsinitiative“ der Schweizerischen Volkspartei aufgetürmt, Verbildlichung der entwürdigenden Abschiebekriterien. Der Schuh im Abfallberg als Zeichen der geraubten Menschenwürde, der Schuh, nachgeworfen den Verachtetsten der Gesellschaft, wie dem ägyptischen Präsidenten Mubarak im Februar 2011, oder dem deutschen Bundesminister Norbert Röttgen beim Castor-Transport ebenfalls im Februar 2011. „Sowie ich mich angezogen habe, steige ich auf den Fußboden hinunter und fahre in die Schuhe. Dann öffnen sich wieder die Wunden an den Füßen, ein neuer Tag beginnt“, schrieb Primo Levi über Leidensanfänge in den Konzentrationslagern.

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2011)

Meistgelesen