Das Sonnchen geht auf

„Ich stelle mir vor, wie die Toten mit unsichtbaren Händen essen. Waren sie da?, frage ich. Ja, sagt Großmutter. Sie muss es ja wissen, denke ich, sie ist vertraut mit dem Tod. Sie hat ihn ja damals gesehen, als er sich gezeigt hat jeden Tag und jede Stunde.“ Beginn eines Romans.

Großmutter gibt mir ein Zeichen mit der Hand, ich solle ihr folgen. Wir gehen durch dieschwarze Küche in die Speisekammer. Am Gewölbe klebt alter Rauch wie dunkles, speckiges Harz. Es riecht nach Geselchtem und frisch gebackenem Brot. Ein saurer Dunst hängt über den Futterkübeln, in denen Essensabfälle für die Schweine gesammelt werden. Der Boden ist lehmig und an den häufig begangenen Stellen glänzend wie poliert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2011)

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