Krawatte, Zigarette und Bentō

Zwei Männer sitzen auf einer Parkbank. Nach einer langen Weile erzählen sie sich ihr Leben. „Ich nannte ihn Krawatte“, Milena Michiko Flašars dritter Prosaband, verbreitet eine beckettsche Grundstimmung.

Es ist dramatisch: Kaum entdeckt ein österreichischer Verlag eine junge, begabte Autorin, schon ist ein deutscher Verlag da, der sie umwirbt. Den heimischen Programmleiterinnen geht es wie dem sprichwörtlichen Hasen, dem der deutsche Igel zuruft: „Ich bin schon da!“ Nun versichert der Berliner Wagenbach Verlag glaubhaft, die 1980 in St.Pölten geborene Milena Michiko Flašar nicht abgeworben zu haben. Trotzdem ist sie mit ihrem nunmehr dritten Buch von dem in ihrer Geburtsstadt St. Pölten angesiedelten Verlag, der die ersten beiden Bücher verlegt hat, nach Berlin abgewandert. Ein herber Verlust, nicht nur für den Verlag an der Traisen, sondern für die chronisch unterkapitalisierte, kleinteilige heimische Verlagsszene insgesamt. Erwecken solche Abgänge doch den Eindruck, dass nur jene Autoren bei österreichischen Verlagen verbleiben, die es nicht ins Ausland schaffen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2012)

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