Im toten Winkel

Wir beugten uns über den Seziertisch und starrten auf das Gehirn. Draußen fiel Schnee. Ich dachte an die Gehirne meiner Eltern, die ich nicht entziffern konnte, an mein eigenes und an jenes, das vor uns auf dem Blechtisch lag. – „Das Alphabet der Zeit“, aus der Autobiografie.

Das Geheimnis der Mülldeponie

Die Wohnung, die wir im Herbst 1946 am Grazer Weidweg bezogen, bestand aus einerKüche mit Balkon und zwei Zimmern. Im linken befand sich die improvisierte „Ordination“ meines Vaters – mit der Untersuchungscouch, auf der ein grünes Gummilaken lag, einem Tischchen für die Instrumente, einem Holzregal, in das meine Mutter später Einsiedegläser mit Marmelade,Kompott, Obst und Gemüse stellte, und ei- nem weiß gestrichenen Küchenschrank. Ich sah Kranke und Verunglückte als tägliche Besucher ein- und ausgehen und hörte zuMittag und am Abend nach dem Essen meinen Vater und meine Mutter über die „Fälle“ sprechen. Ich bekam allmählich das Gefühl, die Außenwelt sickerte oder brach über uns als etwas Bedrohliches herein.

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