Die Krähen kommen später

Am Rand der Stadt sind die Gleise noch zu sehen. Bis hierher gingen die Züge. Zwei Kinder spielen Krieg, Straßenkampf, das Gesicht vermummt. Wien–Theresienstadt–Auschwitz und zurück: ein Reisebericht.

Der Frühling ist plötzlich auf dem Bahnsteig, die Sonne, der Geruch und auf dem Weg zum Bahnhof das erste Cabrio, als stünde der Sommer vor der Tür, 18. Jänner. Fest stehen nur die Ziele. Theresienstadt und Auschwitz. Auf den Spuren der deportierten Hietzinger Jüdinnen und Juden. Das Damals mit dem Heute vergleichen. Keine Viehwaggons, Reiseproviant bei „Okay“ und bei „Anker“. Alltag eines Reisenden. Pünktlich die Abfahrt, das Arsenal verschwindet, der Baumarkt, Sonnengleise im Gegenlicht, die Donau blau, ganz glatt, bald Felder, Rehe auch. In Auschwitz soll es einen zahmen Fuchs gegeben haben. Und der Vater einer Kollegin musste sich nach einem Besuch im KZ übergeben, er war im Krieg. Und die Kinder einer zweiten Mitarbeiterin meinten: Da will ich nicht mehr hin.

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