Wie pflügt man das Meer?

Roma in Ungarn und Österreich: Belege einer fortwährenden Vergangenheit. Über drei Nachrichten aus jüngster Zeit und die Familien-Spurensuche einer österreichischen Filmemacherin und Chronistin.

Drei Nachrichten aus jüngster Zeit. Erstens, dass beim größten Filmfestival Ungarns – in Miskolc, wo ein Zigeunerghetto einem neuen Fußballstadion weichen muss – die Situation der Roma ausgeblendet werden soll: Die Leitung des nach einer irischen Whiskeybrennerei benannten Jameson CineFest teilte der Produktionsfirma DunaDock im August mit, dass „zur Vermeidung politischer Konflikte und aus Sicherheitsgründen keine Filme mit dem Thema Roma“ gezeigt werden dürfen. Die Entscheidung wurde mit dem Hinweis auf die Kommunalwahlen begründet, die Mitte Oktober, einen Monat nach dem Festival, stattfinden werden. Die aussichtsreichsten Kandidaten sind mit rassistischen Äußerungen aufgefallen – der amtierende Bürgermeister, ?kos Kriza von der Regierungspartei Fidesz, ebenso wie seine Herausforderer Albert Pásztor, der von einem Bündnis sozialliberaler Parteien unterstützt wird, und Peter Jákab von der neonazistischen Jobbik. Als Polizeichef der Stadt hatte Páztor schon vor fünf Jahren erklärt, dass alle relevanten Straftaten in Miskolc, einschließlich der nicht aufgeklärten, von Zigeunern begangen würden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2014)

Meistgelesen