Finnland: Wurst

Die Buchmesse Frankfurt hat Finnland zu Gast. Cool? Nein: Wurst. Mit einer Flut schlampiger, ambitionsloser Übersetzungen, mit verhunzten Meisterwerken wird dem Land der tausend Schreiber ein Bärendienst erwiesen. Schätze aus den Nischen bleiben ungehoben. Ein Einwurf.

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Ich hatte inzwischen einige Manuskripte angenommen, die für unsere Fellachenleser zu gut waren und deshalb unverkauft im Lager blieben. Adolf Molnar,
„Des Deutschen Volkes Wunderborn“

DieRuderdollenschreienwie einVogel.“ Der erste Satz im Buch. Den versteht der Fellachenleser womöglich nicht, gemeint sind Rudergabeln oder -lager. Schreiben auch nicht immer so doll, die Finnen, denkt er und liest weiter. „Im Boot liegen dreimagere Hechte.“ Das stimmt nicht, am Boden des Bootes liegen laut Originaltext zwei(sic!) abgemagerte Hechte, mager ist in Finnland die Milch. „Mataleena folgt mit dem Blick zuerst dem ädrigen Hals ihres Vaters, dann der dünnen Nasenwurzel, und richtet schließlich auch die Augen zum Himmel, der sich wie ein riesiger Silberlöffel über dem See wölbt.“ Nicht einmal annähernd: DasMädchen schaut am Vater hoch, an seinem sehnigen Hals, an seinem schmalen Nasenrücken, dann in den Himmel, der über den See gesenkt liegt wie ein riesiger Silberlöffel. Letzteren möchte der Fellachenleser abgeben, früher fand einLektorat statt, heute mussder Übersetzter alles selbst falsch machen. „Man hört ein ganz leises Zischeln, als der brennende Spandas Wasser im Kübel erreicht.“ Und ein ganz lautes Tuscheln über die Errungenschaft des Spans im Aktiv. Und dieserPhrasenfriedhof stammt leider nicht aus einem Schulaufsatz.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2014)

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