Sojasauce auf dem Grab

In ihrem Heimatland kennt sie praktisch jeder: Mitsuko Coudenhove-Kalergi, eine der ersten Japanerinnen, die nach Europa gingen. Pionierin oder Opfer? Japanische Sisi oder Vorläuferin der Moderne? Eine Erinnerung an meine Großmutter.

Meine Großmutter Mitsuko Coudenhove-Kalergi liegt in unserer Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof in Wien begraben. Manchmal finden wir ein Fläschchen Sojasauce auf der Grabplatte. Dann wissen wir: Ein japanischer Tourist war hier, um seiner Landsmännin seine Reverenz zu erweisen. So wie die Juden Steinchen auf Gräber legen, so wurde uns erklärt, tut man es in Japan mit Sojafläschchen. Viele Japaner besuchen Mitsukos Grab. Die Geschichte der jungen Mitsuko Aoyama, die 1892 einen österreichischen Diplomaten heiratete und mit ihm als eine der ersten Japanerinnen – manche sagen: als allererste – nach Europa zog, kennt praktisch jeder im Lande.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2008)

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