Der Prinz und sein Leisten

Morgens von halb zehn bis eins und dann wieder von drei bis halb acht am Abend sieht man sie in ihrer „bottega“ sitzen, in die Arbeit versunken: Gabriele Gmeiner – wie eine Vorarlbergerin in Venedig die Tradition der Schuhmacherei am Leben hält.

Mehr als 400 Brücken soll es in Venedig geben, mit ungezählten Treppen, dazu ein labyrinthisches Gewirr an Gassen und Durchgängen, unendlich viele sottoporteghi, rami und rughette.Und kein Bus in der Nähe, kein Auto, kein Fahrrad. Wer in Venedig lebt, nimmt seine Füße unter den Arm. Traghetti und vaporetti machen die Wege kürzer, doch das Gehen gehört zum Alltag wie die Mokassins, Sportschuhe und Stiefel, solide geschnitten, gut besohlt, fest geschnürt. Venedig hat nichts übrig für Stilettos und hochhackige Pumps. Wo der Boden schwankt, kommt auch der Gang ins Stocken. Gut, wer sich auf seinen festen Schritt verlassen kann.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2009)

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