Warum wir die Neinsager brauchen

Über die Zeitlosigkeit der Verweigerung, das Recht auf Müßiggang – und was über solche wie den Baron Karl in Erinnerung geblieben ist. Anmerkungen zu einem Archetypus der Wiener Zwischenkriegszeit.

Kinderzeichnung 'Das Recht nein zu sagen'
Kinderzeichnung 'Das Recht nein zu sagen'
(c) BilderBox

Die Neinsager tun der Gesellschaft gut. Doch sie tun gut daran, dieser in ihrer Betriebsamkeit nicht in die Quere zu kommen. An und für sich zaubert der geübte Tachinierer seinen Zeitgenossen ein Lächeln auf die Lippen, solange er nicht im Weg sitzt oder womöglich an das Mitleid appelliert. So werden die Bedürftigen von den Plätzen vertrieben, während den Bedürfnislosen eine gewisse Bewunderung zukommt. Wohlstandsverweigerung inmitten der Wohlfühlgesellschaft hat eine philosophische Note und macht durch ihre scheinbare Freiwilligkeit aus der Not eine Tugend. Wenn der erfolgreiche Kabarettist Roland Düringer aus seinem Bart einen Zopf macht, das Internet abmeldet und Gemüse pflanzt, gilt dies als mit Sympathie bedachte Widerstandshaltung. Die bürgerlichen Neinsager sind eine willkommene Intervention im Alltag der geilen Konsumgesellschaft.

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2014)

Meistgelesen