Wiener Luft

Abendländische Hygienekultur: aseptisch, uniform, langweilig! Gottlob, Wien ist anders. Abenteuer Kahlenberg: eine Bedürfnisanstalt und der herbe Atem der Geschichte.

Es ist etwas Komfortables um unsere abendländische Hygienekultur. Allerdings, so selbstverständlich, wie wir heute gerne meinen, ist sie auch hierzulande nicht. Gar nicht fern sind die Zeiten, dass man es beispielsweise fast natürlich empfand, sich ohne weiteren Sichtschutz, somit in aller Öffentlichkeit, zu entleeren. Noch Ende des 18.Jahrhunderts wussten Reisende zu berichten, in Städten wie Paris oder London seien die Straßen samt und sonders „öffentliche Abtritte“. Wien machte keine Ausnahme. Da fanden sich bis weit ins 19. Jahrhundert eigens vorgesehene „Nothwinkel“ auf den Straßen, um das Exkrementieren coram publico wenigstens örtlich halbwegs einzugrenzen. Der nachmalig oft gepriesenen Wiener Luft sang damals jedenfalls noch niemand ein Lobeslied.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2009)

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