Saufen, singen, sitzen

Was das fröhliche Besingen des fröhlichen männlichen Betrinkens mit den Werten der Universität verbindet – oder auch nicht. Anmerkungen zu einem Liedgut besonderer Art.

Noch treten sie „geschlossen stark“, gemäß ihrem Motto, gegen die Welt an, auf dem Universitätsgelände ihre gefährdete Sichtbarkeit und Versammlungsfreiheit verteidigend – die Couleur-Studenten. „Frisch auf, wir wollen fröhlich sein, hoscha poscha!“ Und doch: Ein Genre ist in Gefahr – das Studenten-, Trink- und Männerlied. Manche der Sänger-Studenten-Seilschaften sagen alles im Titel, wie die Sängerschaft Waltharia. Ihre Trinklieder sind ein zutiefst männliches, zentrales Genre für die Musikszene. Nach Sex, Love und Rock'n'Roll, Pardon, Trennungsschmerz, ist kein Thema so oft besungen worden wie alkoholhaltiges Getränk. Wobei die These zu prüfen ist, ob das Besingen immer ein Lob des Trinkens ist. Das Genre des Trinklieds ist in der klassischen Musikwissenschaft jedenfalls ein wenig beachtetes. Eher führt uns die Musikethnologie in die Produktionsbedingungen des Trink-Singens, Besingens, Betrinkens und erweitert den Blick der puren Textur auf jene, die das Lied des Trinkens vollführen: die Matrosen, die Seeleute, die Studenten, die Tagelöhner, die Arbeiter, die Hippies.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2015)

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