Zwei Mäntel unter dem Dach

Bald nach dem Krieg hat meine Mutter öffentlich erklärt, wie leid es ihr tue, in diesem NS-Propagandafilm mitgespielt zu haben. Ich habe mir den Film als Erwachsene angeschaut. Danach habe ich gesagt: „Ich brauch einen Schnaps.“ Über „Heimkehr“ und meine Eltern, Paula Wessely und Attila Hörbiger.

Ende 2014 ist mir am Burgtheater eine Rolle zugeflogen, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte und die auch sehr viele Erinnerungen weckte. Eine Kollegin fiel kurzfristig für die Uraufführung von Ewald Palmetshofers neuestem Stück, „die unverheiratete“, aus, das war Ende November. Ich sitze in der Maske, die neue Burgtheaterdirektorin, Karin Bergmann, kommt herein und sagt: „Ich will dich jetzt nicht stören, aber ich müsste etwas Dringendes mit dir besprechen.“ Meine Maskenbildnerin sagt sofort: „Ich lasse Sie allein.“ Sie hat gemerkt, dass man diesem Gespräch nicht schminkend zuhören konnte. Karin beginnt: „Ich will mal von hinten anfangen: Hast du schon einmal eine Übernahme gemacht?“ Ich denke mir, sie wird doch nicht, sie wird doch nicht. Sie sagt: „Kennst du das neue Stück von Ewald Palmetshofer?“ Ich: „Nein.“ Sie: „Traust du dir das zu? Du kriegst alles, was du brauchst, auch extra eine Souffleuse, einen Wagen mit Chauffeur.“ Ich frage, wie lange ich Zeit hätte. Die Premiere sollte am 14. Dezember sein. Keine drei Wochen. Ein Wahnsinn!

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2015)

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