Modern sein und nur nicht scheinen

Technische Neuerungen wurden in ein historisierendes Kleid verpackt, die dahinterstehenden Innovationen blieben so gut wie unsichtbar. Wiens Ringstraße: wie man die Moderne camoufliert.

Die Anlage der Ringstraße war eine städtebauliche Intervention der Superlative. Konzipiert als „Via triumphalis“ von Aristokratie und Großbürgertum, verknüpfte sie auf komplexe Weise Aspekte der Repräsentation mit militärischen, technischen und hygienischen Erfordernissen. Dabei gehorchte der neu geschaffene städtische Raum vor allem einem Prinzip: der Bewegung. Treffend konstatiert der renommierte Historiker Carl E. Schorske in einer Analyse die „lineare Gewalt“, die von der Ringstraße ausgeht, das „kreisförmiges Fließen“, das konstitutiv für sie wurde und dem sich letztlich auch die angrenzenden Gebäude unterordneten. Nicht zufällig etablierte sich der Name der Straße als Sammelbezeichnung für das riesige neu gestaltete Areal. Im Mittelpunkt stand stets die Straße und das Geschehen auf ihr.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2015)

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