Plakatschlacht: "So wollen wir die Augen schließen"

Österreich hat die höchste Plakatdichte der EU. In keinem anderen Land gibt es anteilsmäßig mehr Plakatflächen. Das merkt man vor allem in Vorwahlzeiten. Politische Bilderschlachten: ein historischer Überblick.

Wien, Wahl, Plakate
Wien, Wahl, Plakate
Wien, Wahl, Plakate – Philipp Splechtna

Sie lächeln am Straßenrand, an Bushaltestellen, auf Litfaßsäulen, Hauswänden, Baugerüsten. Ihre Gesichter sind oft übergroß, ihre Mienen signalisieren Kompetenz, Entscheidungskraft und Verantwortungsbewusstsein. Gelegentlich tauchen die Plakatprotagonistenein in den Alltag, sie scharen Männer und Frauen wie du und ich um sich und immer öfter auch Kinder. Ja, es ist wieder Wahlkampf und die Politiker suchen Kontakt zu uns. Sie schauen uns von den Plakaten her an und sagen „du“ zum Wahlvolk. Wahlplakate gelten gemeinhin als verlogen. Man liegt im Smalltalk unter Bekannten meist richtig, wenn man sich über dieses oder jenes großformatige politische Plakatgesicht aufregt. Ich bin da anderer Meinung. Ich bin ein Anhänger der Plakatkunst, gerne lasse ich, wenn ich im Bus sitze, meinen Blick über die großen Plakatflächen schweifen, folge aufmerksam dem Stakkato der am Straßenrand verankerten Dreiecksständer. Bin ich einige Tage nicht in der Stadt, lasse ich bei meiner Rückkehr den Blick auf der Suche nach neuen Sujets neugierig schweifen. Natürlich gibt es politische Plakate und Botschaften, die nichtssagend sind oder oft sogar unsäglich dumm. Aber es gibt so viel zu entdecken in den großen Gesichtern, die fürsorglich, weitsichtig und engagiert auf uns herniederblicken.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2015)

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