Kamele zählen

Marokkanische Landkarten weisen die Westsahara als selbstverständlichen Teil Marokkos aus. Nur die Präsenz der UN erinnert daran, dass hier noch nichts geklärt ist. UN-Mission Minurso: Selbsterfahrung eines Beobachtungsoffiziers.

Es blieb von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt: Im Februar dieses Jahres hat UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon das Flüchtlingslager im algerischen Tindouf besucht und dabei die Westsahara als „besetztes Gebiet“ bezeichnet. Daraufhin hat Marokko, das seit den 1980er-Jahren den größten Teil der Westsahara besetzt hält, den UN-Generalsekretär zu einer Rücknahme seiner Äußerung aufgefordert. Als er dies nicht tat, verwies Marokko 83 UN-Bedienstete, das ist fast das gesamte zivile Personal der UN-Mission Minurso, als unerwünscht des Landes. Innerhalb von drei Tagen mussten sie packen und wurden vorerst auf die Kanarischen Inseln ausgeflogen. Monate später durften 25 von ihnen an ihre Arbeitsstätte im marokkanisch besetzten Laayoune zurückkehren. Die anderen warten derzeit noch darauf in ihren Heimatländern. Just im 25. Jahr des Bestehens von Minurso wollte Marokko offenbar die ihm lästige UN-Mission abschütteln.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2016)

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