Das Ende der Arbeit

Wir sollten uns den Menschen als etwas anderes denn als arbeitendes Tier vorstellen. Plädoyers für die Faulheit.

Lisz Hirn
Am Ende der Barbarei
„Die Liebe zu einem ist eine Barbarei: denn sie wird auf Unkosten aller übrigen ausgeübt.“ Ich stellte fest, dass alles, was ich über die Arbeit zu wissen glaubte, eng mit der Person meines Vaters zusammenhing. Er war für mich die Verkörperung des Animal laborans, des arbeitenden Tieres, das sich tagtäglich frühmorgens dem Schlaf entreißt und sich – mit scheinbar gleichmütiger Miene – den immer gleichen Prozessen hingibt. Das Unbehagen, das mich aufgrund seiner Verfasstheit befiel, kann ich erst heute in Worte fassen. Es hatte nichts mit der Angst vor den monotonen Anstrengungen der Arbeit oder mit pubertärer Antriebslosigkeit zu tun. Vielmehr beunruhigte mich der verschwenderische Umgang mit der Zeit, den die Arbeitnehmer, allen voran mein Vater, zu pflegen schienen: Sie gingen alle zur Arbeit, als ob sie ewig lebten. Untertags ließen sie ihre Zeit von den Arbeitgebern verbrauchen, um sie abends erschöpft vor dem Fernseher zu vergeuden.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2017)

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