Der Tourist: Von der Tour zur Tortur?

Wie sich aus der Bedrohlichkeit des Fremden der Grundstoff einer hoch lukrativen Wirtschaftsbranche gewinnen lässt. Der Tourist: Hinweise zur Transformation der Grenzgängerei.

Massentourismus auf Mallorca
Massentourismus auf Mallorca
Massentourismus auf Mallorca – REUTERS

Wir sind's, wir! Wir haben unsere Lust daran, uns in die Nacht des Unbekannten, in die Fremde irgendeiner andern Welt zu stürzen.“ Was Friedrich Hölderlin so eindringlich in seinem Roman „Hyperion oder der Eremit in Griechenland“ beschreibt, trägt sich derzeit an den österreichischen Grenzen zu. An den Grenzen, die für die Fremden geschlossen, für die Touristen immer offen bleiben sollten. Gerade in der Hauptreisezeit wird uns schmerzlich bewusst, wie wenig nostalgisch Grenzen eigentlich sind und was sie eigentlich verkörpern, nämlich die Ränder eines Raums.

Diese Ränder sind oft mit geografischen Hindernissen identisch, an denen eine sprachlich und kulturell andere Welt beginnt. Nicht alle dürfen diese Ränder überqueren; während die einen also als Gefahr gesehen werden, dürfen die anderen sich erlauben, diese Grenze zu überschreiten. Dieses Privileg hat allerdings Auflagen: So dürfen sich diese Grenzgänger nicht mehr als ein Jahr im Ausland aufhalten und keiner bezahlten Aktivität am besuchten Ort nachgehen. Sie müssen weiter das nachweisen, was Flüchtlinge oder Landstreicher nicht haben: finanzielle Sicherheit und wohnörtliche Meldung. Touristen, so werden diese Grenzgänger genannt, genießen erst dann internationale Bewegungsfreiheit, wenn sie mehr Gewinn als Bedrohung sind.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2018)

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