Sich vor Frauen zu entblößen

Wien nach dem Ersten Weltkrieg. Für ein paar Jahre befreit sich der nackte weibliche Körper aus der Schmuddelecke. Unter den Hauptakteuren des Erotik-Booms: kaum 30-jährige Fotografinnen, die mit der Inszenierung der Entblößung experimentieren.

Fünfter Februar 1928. Josephine Baker kommt am Wiener Westbahnhof an. Doch lange bleibt sie nicht in der Stadt, sie fährt bald weiter Richtung Semmering, wo sie ein paar Urlaubstage verbringen will. Anschließend soll sie in Wien auf der Bühne stehen – vereinbart ist eine Revue im Varietétheater Ronacher. Wien ist die erste Station einer zweijährigen Europa- und Südamerikatournee, die sie in 15 Städte führen wird. Von Wien über Berlin, Budapest, Bukarest nach Skandinavien und schließlich nach Santiago de Chile. Als sie in Wien aus dem Zug steigt, ist sie in Wirklichkeit längst angekommen: Die Bilder ihrer Nacktauftritte sind allseits bekannt. Die Zeitungen berichten schon seit Tagen über die „Pariser Sensation“. Jedes Detail ihrer Reise wird in der Öffentlichkeit verhandelt. Die Journalisten wissen auch darüber Bescheid, was der anrüchige Star mit sich führt: 15 große Schiffskoffer. Darin verpackt: 137 Kleider und Kostüme, 196 Paar Schuhe, 64 Kilo Schminkpuder und natürlich – das berühmte Bananenröckchen.

Das ist drin:

  • 0 Minuten
  • 0 Wörter

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2010)

Meistgelesen