Tatort Judenstein

Im 17. Jahrhundert verwandelte ein katholischer Laienapostel eine Wanderlegende in eine antisemitische Märtyrergeschichte. Mittlerweile „judenfrei“ geworden, wird der Kult um den Anderl von Rinn weiter hochgehalten. Besuch in Tirol.

Original im Depot: Duplikat einer Anderl-Figurengruppe im Augustinermuseum Rattenberg.
Original im Depot: Duplikat einer Anderl-Figurengruppe im Augustinermuseum Rattenberg.
Original im Depot: Duplikat einer Anderl-Figurengruppe im Augustinermuseum Rattenberg. – (c) SW

Ein Stein liegt im Gelände. Ein blanker Felsblock. Der Sillgletscher hat den Gneisbrocken plattgeschliffen und ihn während der Würmeiszeit vor über 100.000 Jahren auf dem Innsbrucker Mittelgebirge in der Nähe des heutigen Dorfes Rinn abgelagert. Esoteriker sehen in ihm einen spirituellen Kraftplatz, Romantiker einen heimlichen Treffpunkt für Liebespaare und Drehbuchschreiber einen grausamen Tatort. Eine heimatkritische Tirol-Tatort-Folge von Felix Mitterer mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser unter dem Titel „Der Judenstein“ steht leider noch aus. „Leider“ meine ich ehrlich.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2019)

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