Wem gehört diese Frau?

Kärnten-Wien gegen Tirol-Salzburg: Im Kampf um die Rechte an der großen, geheimnisvollen österreichischen Dichterin Christine Lavant ist die Germanistik nicht zimperlich.

Was blieb von Christine Lavant in Erinnerung? Gedichtbücher aus den späten Fünfziger-, frühen Sechzigerjahren, die ihr Verlag, Otto Müller in Salzburg, noch heute mit den Zierschrift-Schutzhemdchen von damals feilhält: „Die Bettlerschale“, „Spindel im Mond“, „Der Pfauenschrei“. Ihre Gedichte beginnen mit Klagezeilen wie „Meine Schwäche geht mit mir um“, „Wo ist mein Anteil, Herr, am Licht“, „Auf allen Stufen meines Leibes haust ein Schmerz“, „Zerschlage die Glocke in meinem Gehör“. Seit Kindertagen hinfällig und fast taub, durchstöberte sie schier manisch das Naturinventar vor ihrem Fenster: „Baum in der Sonne, ohne Nest und Blatt“, „Der Mond nimmt zu und heilt sich aus“, „Stern, geh jetzt heim, mir zittert schon die Hand“. Seit ihrer einzigen Fernreise, 1958 nach Istanbul, erträumte sie sich türkische Vorfahren. Ihr Pseudonym hat sie als Lavanttalerin punziert.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2011)

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