Matschiner: Vom Mittelstreckenläufer zum Doping-Verdächtigen

31.03.2009 | 12:35 |   (DiePresse.com)

Der Name des früheren Staatsmeisters und EM-Teilnehmers fällt immer wieder im Zusammenhang mit Doping.

In der österreichischen Doping-Affäre erfolgte am Dienstag der nächste, wenn auch nicht überraschende Paukenschlag. Die im Bundeskriminalamt angesiedelte "Soko Doping" nahm in Oberösterreich den Sportmanager Stefan Matschiner nach dessen Rückkehr aus den USA fest. Der 33-jährige Oberösterreicher war einst Mittelstrecken- und Crossläufer in der österreichischen Spitze, ehe er als Manager für nationale und internationale Athleten arbeitete. In den vergangenen Tagen häuften sich schwere Doping-Vorwürfe gegen Matschiner, der Doping stets bestritten hat und für den die Unschuldsvermutung gilt.

Der aus Laakirchen/OÖ stammende Matschiner trat national erstmals im Februar 1997 in Erscheinung, als er mit 21 Jahren hinter Michael Buchleitner in der Halle Vize-Meister über 1500 Meter wurde. Matschiner holte mehrere Medaillen bei Staatsmeisterschaften, im Februar 2002 sicherte er sich über 1500 Meter einen Einzel-Titel. Einige Wochen später nahm der Oberösterreicher, der von Helmut Stechemesser betreut worden war, an den Hallen-Europameisterschaften in Wien teil, über 1500 Meter belegte er Rang 17.

Danach wurde es stiller um Matschiner, der nach seiner aktiven Karriere als Manager von Sportlern auftrat. Im Jahr 2003 gründete er mit Manfred Kiesl die Firma "International Sports Agency". Manfred Kiesl ist der Ehemann von Theresia Kiesl, der Olympiadritten von Atlanta 1996 über 1500 Meter. In Kiesls Wohnhaus waren 1997 Dopingmittel im Kühlschrank beschlagnahmt worden.

Matschiner hatte bekannte Sportler unter Vertrag, einige dieser Athleten haben auch für aufsehenerregende Dopingfälle gesorgt. Im Juli des Vorjahres war bekannt geworden, dass der niederländische 3000-Meter-Hindernis-Europarekordler Simon Vroemen eine positive Dopingprobe auf das anabole Steroidhormon Metandienon abgeliefert hatte.

Der Laakirchner war auch Berater des dänischen Radstars Michael Rasmussen, der während der Tour de France 2007 als sicher scheinender Gesamtsieger aus dem Rennen genommen und mittlerweile wegen Verstoßes gegen die Dopingkontrollrichtlinien zwei Jahre gesperrt worden ist.

So richtig in das Bewusstsein der Öffentlichkeit kam Matschiner aber erst im Oktober des Vorjahres. Der Manager saß an der Seite seines Schützlings Bernhard Kohl, als dieser wenige Tage nach Bekanntwerden einer positiven Probe (13. Oktober) Doping gestand. Der Radstar aus Niederösterreicher war Bergkönig und Gesamt-Dritter der Tour de France, seine Erfolge schaffte er aber mit Hilfe des EPO-Nachfolgeprodukts CERA.

Kohl wurde am 24. November von der Nada für zwei Jahre gesperrt, die Zusammenarbeit mit seinem Manager wurde wenig später (Dezember) beendet. Am Donnerstag will Kohl, der mittlerweile mit der SOKO Doping kooperiert, zu den Entwicklungen Stellung nehmen.

Im vergangenen Herbst hatte Matschiner auch noch die Leichtathleten Martin Pröll, Clemens Zeller, Gerhard Mayer und Daniel Spitzl unter Vertrag. Am vergangenen Freitag gab Pröll bekannt, die Zusammenarbeit zu beenden. Laut ÖLV-Aussendung wird damit kein Athlet des heimischen Verbandes mehr vom Oberösterreicher vertreten.

Vorangegangen war ein Outing der Triathletin Lisa Hütthaler. Die 25-Jährige hatte am vergangenen Freitag in einem Kurier-Interview langjähriges Doping gestanden und auch Hintermänner genannt. Neben dem Kinderarzt Andreas Zoubek nannte sie Matschiner als EPO-Lieferant, auch Blutdoping soll der 33-Jährige durchgeführt haben.

Der Name Matschiner tauchte aber auch im Rahmen des Doping-Skandals während der Olympischen Spiele 2006 in Turin auf. Es gab gegen ihn keine Verdachtsmomente, aber eine schiefe Optik, weil er damals bei seinem Freund Walter Mayer in Turin war. Der Kontakt zu Mayer, der mittlerweile wegen des Verdachts, gegen das Anti-Doping-Gesetz verstoßen zu haben, in U-Haft sitzt, sei durch seinen Schwiegervater entstanden, der ein Haus von Mayer gemietet habe, hatte der mit einer Amerikanerin verheiratete Matschiner einst erklärt.

Matschiner hat stets bestritten, in Dopingmachenschaften verwickelt zu sein. In einem Interview mit den "Oberösterreichischen Nachrichten" von Dienstag erklärte er zudem das Ende seiner Manager-Tätigkeit: "Das Thema Sport ist erledigt. Mit dieser verlogenen Szene bin ich fertig."

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Matschiner: Vom Mittelstreckenläufer zum Doping-Verdächtigen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.