Anstoss

Der Ganzkörperscanner als zwölfter Mann

Warum dulden Fußballfans diese Derby-Ausraster? Wie gelangen diese Utensilien, an Ordnern vorbei, ins Stadion?

Was geht bloß in den Köpfen mancher Fußballfans vor? Wer braucht bengalische Feuer? Wieso wirft man beim Wiener Derby mit Feuerzeugen oder kleinen Schnapsflaschen auf Austria-Spieler? Wieso schleudert prompt beim darauffolgenden Lokalduell ein Feigling aus dem Austria-Sektor eine leere Rauchbombe – dieser Gegenstand hat es tatsächlich in das Happel-Stadion geschafft – auf das Feld und verletzt dabei eine Fotografin?

Eigentlich gibt es darauf keine logische Antworten. Es ist keinesfalls lobenswert, dass Austria diesen „Anhänger“ umgehend ausgeforscht, mit Hausverbot und bei der Bundesliga mit landesweitem Stadionverbot bedacht hat, sondern schlichtweg das Mindeste. Auch dass sich der Klub, wie Rapid bei den vergangenen Vorfällen in Hütteldorf, das Recht vorbehält, Regress gegenüber dem Verursacher zu fordern, ist die einzig nachvollziehbare Basis für eine weitere vernünftige Vorgangsweise, um solche Problemzonen stillzulegen.

Emotionen, Begeisterung, Hingabe, Glauben – all das gehört zum Fußball. In anderen Ländern aber funktioniert das soziale Verhalten im Fußballstadion. Also gehören in Österreich noch härtere Strafen her, um Ausraster – noch im Prinzip des guten Glaubens – einzelner Störenfriede zu unterbinden. Es bedarf deutlicher Signale, zum Wohl des Spiels, zur Freude der tatsächlichen Fangemeinde. Warum der echte, eingeschworene, harte Kern der jeweiligen Fanklubs solche Aktionen in den eigenen Reihen duldet, anstatt zu unterbinden, bleibt hingegen unklar. Was muss denn noch passieren?

Auch die Bundesliga ist gefragt. Mit Vorgaben und Urteilen, die keinen juristischen Interpretationsspielraum mehr zulassen. Ein Eigentor wie zuletzt bei Rapid sollte genügen. Höhere Ticketpreise, die in England dieser Problembehebung dienlich waren, sind hingegen zweischneidig. Es drohen natürliche Geisterspiele . . .

Bislang wurden bei Eklats vorwiegend Klubs an den Pranger gestellt, Täter kritisiert. Nur das Versagen des Ordnerdienstes wurde nie hinterfragt. Wieso? Einlasskontrollen werden offenbar nicht richtig durchgeführt, es muss Lücken geben. Wie sonst kommen denn all diese Utensilien ins Stadion? Oder muss Österreichs Klubfußball nicht nur den Videobeweis erwägen, sondern auch Ganzkörperscanner beim Einlass aufbauen?

Ganz üblen Gerüchten zufolge wäre das Problem damit flott gelöst.

E-Mails an: markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2018)

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