Auch Silvio Berlusconi setzt auf Petrodollars

AC Milan sucht dringend nach einem neuen Großinvestor, Silvio Berlusconi will 30 Prozent seiner Klubanteile verkaufen. Die Hintergründe dafür sind rätselhaft, Kritiker vermuten finanzielle Engpässe.

Silvio Berlusconi
Silvio Berlusconi
Silvio Berlusconi – AP

Mailand/Fin. In Italiens Mode- und Sportmetropole Mailand geht es rund. Während viele europäische Spitzenklubs mit Stars und neuen Investoren für Aufsehen sorgen, bleiben sowohl Inter als auch ACMilan hinter den Erwartungen zurück. Doch vor allem Milan, das „Spielzeug“ von Italiens ehemaligem Premierminister Silvio Berlusconi, geriet in die Kritik.

Die Fans sind erbost, nachdem Größen wie Zlatan Ibrahimović oder Thiago Silva abgegeben wurden, auch bleiben sportliche Erfolge aus – das steht im Widerspruch zu ihren Erwartungen. Aber auch in der Chefetage herrschen Unzufriedenheit und Unruhe. Berlusconi erwägt nun sogar, 30 Prozent seiner Klubanteile zu verkaufen – um neue Geldquellen zu lukrieren, Stars zu verpflichten, gleichzeitig Schulden zu tilgen und die verärgerte Fangemeinde zu befriedigen.

Medienberichten zufolge herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, wer bei Milan, einem mit 18Serie-A-Titeln, fünf Pokalsiegen und sieben Europacup-Triumphen geschmückten Spitzenklub, einsteigen „darf“. Während „Corriere dello Sport“ über ein 500-Millionen-Euro-Investment des russischen Oligarchen Oleg Deripaska berichtet, favorisiert die „Gazzetta“ eine angebliche 250-Millionen-Offerte des Staatsfonds von Katar.

Katars Premierminister Hamad Al Thani kontrolliert den Staatsfonds „Qatar Investment Authority“, er soll die Beteiligung erhalten und dem Petrodollar-Beispiel anderer Vereine – siehe ParisSG oder Manchester City – folgen. Al Thani besitzt ja seit 2011 auch, wenngleich über eine Investorengruppe, die Mehrheitsanteile des Traditionsvereins Paris SG.

 

80 Millionen Euro Nachzahlung

Die Scheichs seien aber nicht nur an dem Aktienpaket, sondern auch an dem Bau eines eigenen Stadions zusammen mit Inter Mailand interessiert, berichten die Zeitungen übereinstimmend. Auch Kooperationen zwischen dem arabischen TV-Sender Al Jazeera und Berlusconis Medienkonzern Mediaset sollen spruchreif sein. Kritiker ätzen nun, dass Berlusconi nur ob dieses „Nebeneffekts“ hellhörig geworden sein soll. Ihm gehe es seit seinem Ausscheiden aus der Politik und verworfenen Comebackplänen ausschließlich um das Geschäft.

Berlusconi, 76, musste im Vorjahr 80 Millionen Euro in die Klubkassa einzahlen, um Milans Verluste auszugleichen. Mit dem Geld eines neuen Partners wäre er alle finanziellen Sorgen auf einen Schlag los, und selbst das Engagement eines Startrainers wie Josep Guardiola wäre nicht mehr ausgeschlossen. Positive Nachrichten braucht Milan definitiv, und zwar schnell: Mit sieben Punkten nach sieben Spielen ist der Topklub nur Elfter der Serie A und weist zwölf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Juventus aus.

Laut „Forbes“ ist AC Milan 794Millionen Euro wert. Damit liegt der höchstdotierte Verein Italiens in der Rangliste der wertvollsten Fußballvereine der Welt auf Position sechs. In der jüngsten Bilanz verzeichnete AC Jahreseinnahmen von 243 Millionen Euro. Berlusconi will unbedingt noch mehr – die Rückkehr ins Rampenlicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)

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