Die schwere Geburt einer Euro-Spielstätte

Die Klagenfurter Sportarena, deren Errichtung 66,7 Millionen Euro gekostet hat, wird am Freitag eröffnet.

KLAGENFURT (APA). Das Klagenfurter EM-Stadion wächst in jenem ehemaligen Sumpfgebiet aus dem Boden, wo der Legende nach der Klagenfurter Lindwurm, das bisherige Wahrzeichen der Stadt, gehaust hat. Der nach wie vor sumpfige Untergrund verlangte von den Architekten, Stabilität in Form von 4200 Stück 16 m langer Piloten zu schaffen. Als Suche nach Stabilität in einem Sumpf gestaltete sich letztendlich auch die Entstehungsgeschichte der Sportarena.

Das Thema beschäftigte Stadtväter, Landespolitik und auch die Justiz seit dem 7. März 2001. Damals wurde Klagenfurt offiziell als Spielort für die Euro 2008 genannt. Die Stadtregierung entschloss sich, ein neues Stadion zu bauen. Das erste konkrete Projekt wurde Ende September 2001 vorgestellt. Die Strabag plante ein multifunktionales Stadion, das vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider und der damaligen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer präsentiert wurde. Das Strabag-Projekt wurde jedoch vom Klagenfurter Gemeinderat abgelehnt.


Die Rolle von Jörg Haider

Im Dezember 2002 wurde dann der Zuschlag für die Euro 2008 an Österreich und die Schweiz erteilt. Im Juni 2003 teilte ÖVP-Bürgermeister Harald Scheucher mit, dass die Stadt nicht das Geld habe, um den Rückbau des Stadions nach der EM zu finanzieren. Ein Nicht-Rückbau hätte aber die laufenden Kosten explodieren lassen, kam für Scheucher nicht infrage.

Wenig später präsentierte der damalige FPÖ-Vizebürgermeister und Koalitionspartner Scheuchers, Mario Canori, das Projekt der deutschen Arena AG samt Sponsorfirma. Diese wolle das Stadion auf eigene Kosten errichten. Die Bonität des Projektwerbers entpuppte sich jedoch als fragwürdig. Im November 2003 waren vom Gemeinderat geforderte Garantien noch immer nicht da. Scheucher verkündete daher, die Stadt werde das Stadion selbst bauen. Ende Jänner 2004 gab es die erste Klage. Heimische Architekten fühlten sich bei der Ausschreibung benachteiligt, ihr Einspruch wurde abgelehnt. Am 29. Oktober endete die Angebotsfrist, sechs Bietergemeinschaften hatten Projekte eingereicht. Zwischendurch drohte Landeshauptmann Haider mit dem Ausstieg des Landes wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten in der Ausschreibung. Das Verfahren wurde aber fortgesetzt.

Im Februar 2005 wurden alle sechs Projekte in der „Kärntner Woche“ öffentlich gemacht, ein Abbruch des Verfahrens drohte. Erneut mussten Experten an die Arbeit, sie empfahlen die Fortsetzung des Verfahrens. Es hagelte Anzeigen, am Schluss behauptete Haider, er und 30 weitere Kärntner Freiheitliche würden vom Innenministerium illegal abgehört.


Alle Gerichte angerufen

Im März 2005 wurde die Bietergemeinschaft Porr/Alpine zum Sieger gekürt. Strabag, Swietelsky Bau und die anderen Mitbieter erhoben Einspruch. Der Unabhängige Verwaltungssenat (UVS) Kärnten stoppte per Einstweiliger Verfügung das Verfahren. Danach erklärten sich UVS und Bundesvergabeamt für unzuständig, Scheucher erteilte der Porr/Alpine den Zuschlag. Letztendlich entschied der von Porr/Alpine angerufene VfGH am 10. Nov. 2005, dass doch der UVS zuständig sei.

Inzwischen hatte die Strabag jedoch Schadenersatzforderungen angemeldet und auch die Europäische Kommission angerufen. Diese stellte das Verfahren Anfang April 2006 ein. Wenige Tage später zog die Strabag ihren Einspruch beim UVS zurück.

Seither wurde in Klagenfurt-Waidmannsdorf auf Hochtouren gebaut, die Bestuhlung des Stadions wurde aber trotzdem nicht fertig. Statt der geplanten 32.000 Sitzplätze stehen für die Eröffnung lediglich 25.000 zur Verfügung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2007)

Kommentar zu Artikel:

Die schwere Geburt einer Euro-Spielstätte

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen