Fußball-Bundesliga: Sturm Graz ist Winterkönig

Sturm Graz erlebte in dieser Herbstsaison eine „Wieder- auferstehung“. Die „Blackies“ setzen auf attraktiven Fußball, Trainer Franco Foda forciert – auch aus finanziellen Gründen – junge, talentierte Österreicher.

Gepa (Walter Luger)

GRAZ(red). Vom Konkursklub zum Winterkönig: Für diese geradezu märchenhafte Verwandlung benötigte der Steirer liebster Fußballklub weniger als ein Jahr. Obwohl Sturms inoffizieller Titel erst durch die Lask-Niederlage bei Rapid (0:2) perfekt wurde, kannte die Euphorie bereits Samstagabend nach dem 1:1 gegen Meister Salzburg keine Grenzen. Die Kulisse in der ausverkauften UPC-Arena erinnerte bereits an die glorreichen Sturm-Zeiten um die Jahrtausendwende, keiner der 15.152 Plätze blieb frei. Zu den Gästen des Fußballfestes zählten auch Teamchef Josef Hickersberger, Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und ein Scout des AC Milan. Sturm-Schauen ist eben wieder schick.


Diese Position verteidigen

Die junge Mannschaft von Trainer Franco Foda wusste gegen Salzburg auch mit der für sie neuen Favoriten-Rolle durchaus umzugehen. Zwar war von dem erfrischenden Offensiv-Fußball der vergangenen Wochen vor allem nach der Führung durch Sebastian Prödl nach einer halben Stunde wenig zu sehen, doch Salzburg hat sich auswärts mittlerweile stabilisiert. Foda fand deshalb für den Gegner auch lobende Worte: „Salzburg hat fast die gesamte Spielzeit dominiert. Sie waren sehr ballsicher. Wir haben unser Spiel fast nur aus dem Konter gemacht.“ Dementsprechend war der Ausgleich durch den eingewechselten Serben Djordje Rakic, der zuvor noch nie für Salzburg getroffen hatte, folgerichtig und verdient.

Die Enttäuschung hielt sich bei Sturm aber in Grenzen. Ganz im Gegenteil überraschte der sonst eher zurückhaltende Foda mit einer Kampfansage: „Wir stehen jetzt oben und wollen versuchen, diese Position zu verteidigen.“ Warum auch nicht, schließlich umfasst die kürzeste Frühjahrssaison aller Zeiten lediglich dreizehn Runden. Allerdings droht Sturm der Abgang des größten Juwels. Sebastian Prödl wird seit Monaten mit europäischen Spitzenklubs in Verbindung gebracht. Der Scout des AC Milan dürfte vor allem ihm auf die Beine geschaut haben. Auch Werder Bremen soll – wie schon im Sommer – die Angel nach dem Jung-Nationalspieler ausgeworfen haben. Prödl selbst gab sich nach dem Spiel kryptisch: „Hier ist meine Heimat und meine Familie. Das war sicher nicht mein letztes Spiel für Sturm. Das heißt aber nicht, dass ich auch im Frühjahr in Graz spielen werde.“ Die Zeichen dürften also trotz eines bis Sommer 2009 laufenden Vertrages auf Abschied stehen. Franco Foda rät freilich – nicht ganz uneigennützig – zu einem Verbleib: „Ein Wechsel wäre meiner Meinung nach jetzt zu früh. Ich würde ihm raten, noch ein halbes Jahr zu bleiben, und dann zu wechseln.“


Lob von Trapattoni

Lob für Sturm gab es auch vom Gegner. „Sturm ist im Moment eine der besten Mannschaften in Österreich“, meinte Giovanni Trapattoni, „aber wird haben gut dagegen gehalten und verdient einen für uns sehr wichtigen Punkt geholt.“ In der Tat gehen die Salzburger trotz einer durchwachsenen Herbstsaison als großer Favorit in das Frühjahr. Doch in einer Meisterschaft, in der die ersten fünf innerhalb von zwei Punkten liegen, ist eigentlich jede Prognose mit Vorsicht zu genießen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2007)

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