Ledwon : Tod eines Kickers wirft Fragen auf

Austria-Kärnten-Spieler Adam Ledwon wurde tot in seiner Wohnung gefunden.

(c) GEPA (Wolfgang Jannach)

KLAGENFURT (ag./red.). Weil Adam Ledwon am Mittwoch nicht wie vereinbart zum Testspiel gekommen war, hatte seinen Vereinskollegen Patrick Wolf stutzig gemacht. Der Austria-Kärnten-Spieler fuhr zu Ledwons Wohnung unweit des Klagenfurter Stadions und fand den deutsch-polnischen Fußballer dort tot auf.

„Das ist ein irrsinniger menschlicher Verlust für uns“, sagte Klubpräsident Mario Canori am Donnerstag.

Was die Verzweiflungstat des zweifachen Familienvaters ausgelöst hat, ist unklar. Canori vermittelte den Eindruck, der 34 Jahre alte Mittelfeldspiler sei in letzter Zeit „emotional sehr aufgewühlt“ gewesen. Ledwons familiäre Situation schien angespannt, seine Frau Mariola hatte den zweifachen Familienvater im Herbst Richtung Polen verlassen. „Das ist aber Monate her“, sagte der Präsident.

Mittlerweile hat sich auch die Polizei eingeschaltet, sie hält den Freitod Ledwons für möglich, schließt aber ein Gewaltverbrechen nicht aus.

Ledwon, 1974 im polnischen Olesno geboren, besaß sowohl die polnische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Seine Fußballkarriere startete er in Kattowitz, über Bayer Leverkusen und Fortuna Köln führt ihn der Weg 2000 zur Wiener Austria. Nach Stationen bei der Admira und Sturm Graz wechselte Ledwon im vergangenen Sommer zum SK Austria Kärnten und stand für die Klagenfurter in 30 von 36 Runden am Platz. Ledwon galt am Platz als eiserner, zweikampfstarker und kompromissloser defensiver Mittelfeldmann. Mit 18 gelben Karten lag er in der vergangenen Saison im Spitzenfeld des Rankings. Gleichzeitig aber auch als Vorbild und Integrationsfigur, der es in Kärnten auf Anhieb zum Publikumsliebling und zum Kapitän der Mannschaft schaffte.

Ledwon hatte für sein – für einen Fußballprofi fortgeschrittenen Alters – zuletzt ein attraktives Angebot von Admira Schwadorf abgelehnt und wollte ein weiteres Jahr in Klagenfurt anhängen.


Staatsaffäre Österreich – Polen

Vor drei Jahren allerdings hätten Ledwon und Mattersburgs Didi Kühbauer beinahe eine Staatskrise ausgelöst. Vor dem entscheidenden Qualifikationsspiel Österreich – Polen in Kattowitz im Vorfeld der WM-Endrunde 2006 in Deutschland war es zwischen den beiden Spielern zu einem derben Wortduell vor laufender Kamera gekommen. Ledwon behauptete polnischen Boulevard-Medien gegenüber, Kühbauer habe ihn als „stinkenden Polen“ beschimpft. Polnische Medien bildeten daraufhin Kühbauer mit einer Gasmaske ab, ein Politiker der rechtsklerikalen LPR zeigte Kühbauer, der stets dementiert hatte, die Beleidigung ausgesprochen zu haben, bei der Staatsanwaltschaft Kattowitz wegen „Beleidigung der polnischen Republik und Nation“ an.

Österreich verlor das emotional aufgeladene Spiel letztlich 2:3 und verpasste die WM. Polen qualifizierte sich, scheiterte aber bereits in der Vorrunde.

Die beiden Spieler söhnten sich später aus, Kühbauer aber nahm die Affäre zum Anlass sich nach 55 Länderspielen aus dem Nationalteam zu verabschieden.

BIOGRAFIE

Adam Ledwon (15. Jänner 1974 – 11. Juni 2008) wurde von seinem Vereinskollegen Patrick Wolf tot aufgefunden.
Der polnisch-deutsche Doppelstaatsbürger spielte bei Kattowitz, Bayer Leverkusen, Fortuna Köln und kam 2000 zur Austria. Nach Stationen bei Admira ('02 - '05) und Sturm Graz (bis '07) spielte er danach für Austria Kärnten.


18 Mal war er für Polens Team im Einsatz und erzielte ein Tor.


Ledwon hinterlässt seine Frau Mariola und zwei Kinder, Kamil und Wojliech.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2008)

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