Champions League: Ein 3:1 ist noch kein Wunder

Rapid ist aus dem Europacup vorzeitig ausgeschieden: Ein 3:1-Heimsieg gegen Anorthosis Famagusta (Gesamtscore 3:4) war zu wenig.

Champions League: Rapid ist ausgeschieden.
Champions League: Rapid ist ausgeschieden.
(c) Gepa (Walter Luger)
WIEN. Die Rapid-Fans hatten das „Wunder von Sankt Hanappi“ herbeigesehnt, aber Österreichs Fußball-Meister musste die Hoffnungen auf eine glorreiche Europacup-Aufholjagd relativ rasch begraben. Die Hütteldorfer erreichten im Qualifikations-Heimspiel zur Champions League gegen Anorthosis Famagusta „nur“ ein 3:1 und schieden nach der 0:3-Niederlage auf Zypern mit einem Gesamtscore von 3:4 aus. Damit ist die Blamage perfekt, das internationale Abenteuer für Grünweiß für die heurige Saison auch schon wieder beendet, ein mehr als herber Rückschlag für den Meister. Die Königsdisziplin des europäischen Fußballs geht damit, wie schon in den vergangenen Jahren, ohne österreichische Beteiligung in Szene.

Vergleiche unzulässig


Das Hanappistadion war nahezu ausverkauft, „Aufholjagd“ stand auf einem riesigen Transparent zu lesen. Aber Wunder gibt es im heimischen Fußball eben nur alle heiligen Zeiten zu bewundern. Diese Erfahrung hatte auch das Nationalteam bei der Europameisterschaft machen müssen. Nur eine einzige heimische Mannschaft konnte bisher in der Vergangenheit einen 0:3-Rückstand im Europacup noch aufholen. Der Gegner hieß damals Dynamo Dresden, der triumphale Sieger dank 5:0-Torreigen Rapid. Aber die heutige Mannschaft der Hütteldorfer ist mit den alten Helden nicht zu vergleichen.

Der ausgeprägte Wille


Meister-Trainer Peter Pacult hatte seine Mannschaft relativ offensiv eingestellt, er war am einstigen 5:0 gegen Dynamo Dresden aktiv und als zweifacher Torschütze beteiligt gewesen. Das ehemalige DDR-Spitzenteam wollte damals im Hanappistadion mitspielen – und kam unter die Räder. Anorthosis Famagusta jedoch kam nach Wien, um den komfortablen Vorsprung zu verwalten. Und gegen sehr defensiv orientierte Gegner tun sich Hofmann und Co. besonders schwer. Das ist in der Meisterschaft so, das ist im Europacup nicht anders.
Rapids Profis wussten, dass es schon eines glücklichen Kraftaktes bedurft hätte, um Famagusta in Bedrängnis zu bringen. Dementsprechend ambitioniert gingen sie von der ersten Minute an zur Sache. Der Wille war vorhanden, aber den Hütteldorfern fehlte es an Klasse, Spielglück und an Effizienz. Wie nach nur 120 Sekunden, als Erwin Hoffer die Möglichkeit zur erhofften Blitzführung vergab.

Die eiskalte Dusche an diesem lauen Sommerabend erfolgte in der 14. Minute. Famagusta wagte sich in die Nähe der Gastgeber, Leiwakabessy konnte ungehindert flanken, in der Mitte lauerte Vincent Laban – und sein verunglückter Kopfball landete zur Verblüffung der 17.000 Zuschauer im Netz. Kavlak hatte das Duell mit dem Stürmer verloren, Torhüter Georg Koch wurde im wahrsten Sinne des Wortes auf dem falschen Fuß erwischt, machte dabei eine erwähnenswert unglückliche Figur. Damit stand es im Gesamtscore bereits 4:0 für die Zyprioten, die Entscheidung war gefallen. Österreichs neuer Teamchef Karel Brückner, begleitet von seinen Assistenten Jan Kocian und Andreas Herzog, wird sich seinen Teil gedacht haben.

Alltag heißt Altach


Rapid scheiterte in erster Linie an sich selbst, aber auch am „Koloss von Rhodos“, wie der griechische Ex-Europameister Dellas genannt wird. Der Meister ist trotz einiger Euro-Spieler auf internationaler Ebene noch zu grün. Auch der rasche Ausgleich durch Hoffer (22.) konnte den Bann mehr brechen. Das Unheil ließ sich trotz 3:1 (Maierhofer-Doppelpack (63., 67.) nicht mehr abwenden. Die Zyprioten wankten gewaltig, ganz fielen sie aber doch nicht. Die glückliche Abwehrschlacht führte zum Erfolg. Rapids Alltag heißt nun am Wochenende Altach, Famagusta darf sich hingegen auf das Duell mit Olympiakos Piräus freuen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2008)

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