Bundesliga: Janko trifft wie am Fließband

Salzburgs Torjäger gelang beim 4:1 gegen Austria Kärnten ein Triplepack, mit 25 Saisontreffern hat er den Klubrekord von Oliver Bierhoff gebrochen.

(c) EPA

WIEN/SALZBURG. Marc Janko ist nicht zu stoppen, der österreichische Teamstürmer schoss am gestrigen Sonntag nicht nur seinen Verein Salzburg nach 0:1-Rückstand noch zum 4:1-Sieg gegen Austria Kärnten, sondern er knackte auch den ersten Rekord. Mit den Bundesliga-Saisontreffern 23, 24 und 25 brach er die Klubbestmarke, die Oliver Bierhoff (Saison 1990/91) mit 23 Toren gehalten hatte. Der 25-jährige Sturmtank (1,95m) trifft wie am laufenden Band: viermal gegen Altach, dreimal gegen Kapfenberg, dreimal gegen Austria, zweimal gegen Ried – nun dreimal gegen Kärnten. Das macht allein 15 Treffer in den vergangenen vier Wochen. Dank Janko darf sich Salzburg auch über den „Herbstmeister-Titel“ freuen, am Mittwoch kann er sich im Länderspiel gegen die Türkei vor etlichen Spionen international beweisen.

 

Salzburg-Jäger Sturm Graz

Erster Verfolger ist Sturm Graz (3:0 gegen Ried), die Steirer halten bei bereits sieben Siegen in Serie, die Art und Weise, wie Trainer Foda dort Fußball interpretiert, lässt auch den holländischen Salzburg-Trainer Adriaanse zum Fan werden. Sturm denkt und agiert offensiv, die Abgänge von Prödl (Werder Bremen) oder Säumel (Torino) hat man längst kompensiert. Hölzl hat den Sprung ins Nationalteam bereits geschafft, gegen die Türkei wurde nun der linke Flügelspieler Stankovic, 22, nachnominiert. Und in der Hinterhand hat Foda („Leistungen muss man konstant über Monate hinweg bringen“) auch noch einen Beichler oder Kienzl.

Als „Salzburg-Jäger“ sieht man sich zumindest offiziell nicht. „Zwischen den beiden Vereinen liegen doch Welten“, unterstreicht Trainer Foda immer wieder. „Die haben das zehnfache Budget, das sagt doch alles.“ Alles ist zwar viel zu dramatisch formuliert, einiges wäre angebrachter. Zur jungen Welle ist Sturm übrigens letztlich auch erst aus finanziellen Gründen gezwungen worden.

Ähnlich liegen die Dinge bei Rapid, auf dem Transfermarkt seit der Führung von Präsident Rudi Edlinger auch fast schon traditionell zurückhaltend. Dies ermöglicht auch in Hütteldorf immer wieder Einsätze von jungen Spielern, nach Ümit Korkmaz, dem großen Pechvogel bei Eintracht Frankfurt (neuerlicher Mittelfußknochenbruch), drängen Kavlak und Drazan nach, auch ein Kayan durfte bereits Bundesliga-Luft schnuppern.

Die Leistungsträger sind freilich Legionäre wie Steffen Hofmann oder Branko Boskovic, der Angriff aber lebt vor allem von Rot-Weiß-Rot. Stefan Maierhofer hält nach seinem ersten Hattrick für Grünweiß beim klaren 5:0 gegen einen desolaten Lask bei bereits 15 Saisontoren; Erwin Hoffer hat seine Durststrecke beendet, das Formtief durchtaucht – und trifft auch wieder.

Wenige Tage vor dem Schützenfest gegen den Lask war Rapid noch chancenlos im Wiener Derby gewesen, gegen die Linzer aber hatte man leichtes Spiel. „Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute eine tolle Leistung geboten“, stellte ein zufriedener Trainer Pacult fest. Der Sieg hätte noch höher ausfallen können, ein „schöner Abend war es dennoch für Rapid“. Und stolz, so Pacult, ist er auf seine Mannschaft soundso immer. „Schließlich habe ich dieses Team geformt.“

Wie viel die nette Leistung von Rapid wert ist, das wird sich am Sonntag, wenn der Rekordmeister in Graz gegen Sturm antreten muss, feststellen lassen. Der Lask war jedenfalls kein Gradmesser, diese Linzer hätten womöglich auch gegen die grün-weißen Amateure verloren. Auch wenn einige Stammspieler nicht zur Verfügung standen, so gaben die Athletiker ein desaströses Bild ab. „Dieses Spiel können wir als Lehrvideo verwenden“, gab Trainer Klaus Lindenberger zu.

 

Die leeren Lask-Akkus

Seit 593 Minuten wartet man nun bereits auf einen Torerfolg. Vastic, im Sommer noch Euro-Spieler, kann die Krise auch nicht erklären. Der Routinier gibt eher nur Durchhalteparolen aus, „jetzt müssen wir eben noch mehr kämpfen“. Die körperlichen Defizite aber sind unübersehbar, bis zur Winterpause wird man höchstens Schadensbegrenzung betreiben können. Der gebürtige Kroate nimmt übrigens Lindenberger-Vorgänger Panadic in Schutz. „Damals haben wir immerhin 21 Punkte geholt, so schlecht kann's nicht gewesen sein.“ Seither befindet sich der Lask ausgerechnet im Jubiläumsjahr im freien Fall.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2008)

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