Peter Persidis tot: Der loyale Mann im Hintergrund

Persidis, der als Legionär in Griechenland fünf Titel gewonnen hat, erlag 61-jährig seinem Krebsleiden. Trauer tragen Rapid, der ÖFB und der gesamte österreichische Fußball.

PETER PERSIDIS
PETER PERSIDIS
(c) APA (Guenter R. Artinger)

Beim Interview vor wenigen Tagen in Abu Dhabi hatte sich Josef Hickersberger, der ehemalige österreichische Teamchef, noch nach dem gesundheitlichen Zustand von Peter Persidis erkundigt. „Er führt einen harten Kampf – den er nicht gewinnen wird.“ Der 60-jährige Trainer spielte sozusagen den Propheten wider Willen, in der Nacht auf Donnerstag ist sein treuer Wegbegleiter verstorben, einem Krebsleiden erlegen. Nicht nur ein Schock für Hickersberger, der immer sehr nachdenklich wird, wenn es um das Thema Gesundheit geht. „Was machen wir uns für Sorgen, wenn wir ein Match nicht gewinnen – oder ob und wann ich in den Vereinigten Arabischen Emiraten entlassen werde. Vergessen wir nie, worum es wirklich geht.“

 

„Ein ganz besonderer Mensch“

Trauer tragen Rapid, der ÖFB und der gesamte österreichische Fußball. Denn Peter Persidis, ein waschechter Wiener, Sohn eines Griechen, war ein Muster an Loyalität. Ein Charakterzug, der im heutigen Fußball fast nicht mehr existiert, im heutigen Getriebe vielen wie Anachronismus vorkommen mag. „Mit Persidis“, heißt es in der offiziellen Aussendung des Fußballbundes, „verliert die Fußballfamilie nicht nur einen absoluten Fachmann, sondern auch einen ganz besonderen Menschen, der stets für seinen Sport lebte, dabei aber nie ins Rampenlicht drängte.“ Für das nächste Länderspiel am 11. Februar in Graz gegen Schweden wird eine Trauerminute angeordnet.

Persidis erinnerte in vielen Dingen an den Assistenten von Herbert Prohaska, auch wenn sich „Mitso“, wie in viele Freunde in Anlehnung an seinen zweiten Vornamen Dimitri nennen durften, von Erich Obermayr in vielen Dingen unterschied. Persidis stammte aus Döbling, lernte die Kickerei beim Nußdorfer AC, wechselte alsbald zur Vienna, avancierte später zu einer Art Rapid-Urgestein.

Zuletzt hat Persidis beim ÖFB als Betreuer der Unter19-Auswahl gearbeitet, die Jugend war dem Vater zweier Kinder (Konstantin, Sophie) stets wichtig. Die größten Erfolge feierte der siebenmalige Teamspieler im Ausland: Mit Olympiakos Piräus holte er dreimal die Meisterschaft (1973, '74, '75), zweimal den Pokal (1973, '75). Den ganz großen Durchbruch aber verhinderte ein Ausnahmekönner, dem ein Herzfehler zum Verhängnis geworden ist. Bruno Pezzey galt damals als bester Abwehrchef des Landes, am ehemaligen Frankfurt- und Werder-Legionär gab es kein Vorbeikommen. Persidis wurde zwar ins Aufgebot für die Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien nominiert, kam aber zu keinem Einsatz.

Gemurrt hat Peter Persidis nie, er hat akzeptiert, dass er im Nationalteam nur die zweite Geige spielen durfte. Sein Länderspieldebüt blieb ihm allerdings ewig in Erinnerung. Im November 1976 führte der exzellente Libero seine Mannschaft in Kavalla gegen Griechenland zu einem 3:0-Erfolg. Auch der letzte internationale Einsatz trug sich in der Heimat seines Vaters zu – 1:1 in Athen im Februar 1978.

Persidis kehrte nach seinem Griechenland-Gastspiel heim zu Rapid, erbte in Hütteldorf für zwei Jahre sogar die Kapitänsschleife, wurde 1982 Meister, 1976 Cupsieger. Im Ausland hat übrigens kein anderer österreichischer Legionär mehr Titel gewonnen als er.

In Hütteldorf wurde der Adjudant später U21-Betreuer, von 1998 bis Ende 2005 war er der treue Wegbegleiter von Josef Hickersberger. Nach dem Gewinn des Meistertitels und der Teilnahme an der Champions League wurde das Unternehmen Euro 2008 in Angriff genommen, im abschließenden Gruppenspiel gegen Deutschland war Persidis nach dem Ausschluss Hickersbergers kurzfristig für 50 Minuten sogar Cheftrainer. Ihm selbst war das damals beinahe unangenehm. Typisch Persidis eben, der das Rampenlicht stets gemieden, weil er seine Rolle als Mann im Hintergrund wirklich geliebt hat.

ZUR PERSON: Peter PERSIDIS †

Der Wiener wurde am 8. März 1947 geboren, er verstarb am 21. Jänner und hinterlässt zwei Kinder.

Laufbahn als Trainer
1984–1987: U21-Trainer Rapid (u.a. mit Herzog, Schöttel)
1998–2001: Co-Trainer Rapid unter Heribert Weber, Ernst Dokupil
13. August–5. September 2001:Trainer Rapid (interimistisch)
2002–2005: Co-Trainer Rapid unter Josef Hickersberger
2006–2008: Teamchef-Assistent des ÖFB unter Hickersberger
danach: ÖFB-U19-Teamchef

Größte Erfolge als Spieler
1973–1975: dreimal Meister mit Olympiakos Piräus
1982: Meister mit Rapid
1976: Cupsieger mit Rapid

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2009)

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