Rasenballsport Leipzig: Red Bull auf Eroberungsfeldzug

Der österreichische Konzern hat einem deutschen Fünftligisten das Startrecht abgekauft. In Leipzig haben die Träume schon Flügel erhalten. In einigen Jahren will man große Klubs wie Bayern, Schalke oder den HSV empfangen.

Zentralstadion Leipzig - bald Red Bull Arena
Zentralstadion Leipzig - bald Red Bull Arena
(c) © Arnd Wiegmann / Reuters

Zehn Kilometer südlich von Leipzig liegt Markranstädt. In der Kleinstadt, die sich selbst als "Sportstadt" bezeichnet, leben knapp 15.000 Menschen, der heimische Sportverein SSV Markranstädt spielt im eigenen "Stadion am Bad" zumeist vor weniger als 1000 Zuschauern in der fünften Liga gegen Teams wie Budissa Bautzen, den ZFC Meuselwitz oder Borea Dresden. Hier liegt der Ursprung für die neue Fußball- und Marketing-Offensive des österreichischen Red Bull Konzerns.

Am vergangenen Wochenende hat sich der Energy-Drink-Produzent die Lizenz des kleinen Vereins, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1912 zurückreichen, gekauft, der Vorstand des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) hat die Übertragung des Spielrechts schon abgesegnet. Der Mateschitz-Konzern will natürlich nicht in den Untiefen des deutschen Provinzfußballs bleiben. Hier soll etwas Großes entstehen - und zwar der neue Klub Rasenballsport Leipzig. Der merkwürdig wirkende Vereinsname hat nur einen Sinn: Er soll umgangssprachlich zu den Red Bull-Initialen "RB Leipzig" abgekürzt werden, Sponsoren sind in deutschen Vereinsnamen nämlich nicht erlaubt.

New York, Salzburg, Leipzig

Sehr wohl erlaubt ist dagegen der Verkauf von Stadionnamen - und so wird das Zentralstadion Leipzig, das 44.000 Fans fasst und für die WM 2006 fast völlig neu errichtet wurde, bald den Namen "Red Bull Arena" tragen. Auch die Stadien der Red-Bull-Fußball-Filialen in Salzburg und New York heißen so und aller Voraussicht nach wird auch das Klublogo genauso aussehen wie bei den anderen "Bullen"-Klubs. Das "Leipzig" unter den beiden Firmen-Rindern wird dann wohl das einzige Unterscheidungsmerkmal sein.

Natürlich wurde der SSV Markranstädt nicht feindlich übernommen, den Deal hat SSV-Manager Holger Nussbaum gemeinsam mit dem Leipziger Stadionbetreiber eingefädelt. Statt Tradition und einem - außer bei Rockkonzerten - fast immer leer stehenden Stadion will man in der Leipziger Region große Fußballwelt und Erfolge sehen. Und Sportfan Mateschitz kann endlich in Deutschland Fuß fassen, nachdem er sich bei Traditionsklubs wie Sachsen Leipzig oder Fortuna Düsseldorf nach massiven Fanprotesten gegen eine Übernahme eine blutige Nase geholt hatte. Die Eingliederung eines Profiklubs war von vornherein ausgeschlossen: Dort dürfen in Deutschland Investoren keine Mehrheit besitzen und ohne Mehrheit wäre das Unternehmen etwas riskant: "Wir können nicht das Risiko eingehen, nach einigen Jahren und Zahlungen in Millionenhöhe plötzlich von wem und aus welchem Grund auch immer mit einem Dankeschön verabschiedet zu werden", meinte Mateschitz gegeüber "Welt online". Dieses Risiko hat er in Markranstädt nicht.

Holger Nussbaum ist von der - vorerst auf sieben Jahre angelegten - "Partnerschaft" mit dem Mateschitz-Konzern jedenfalls restlos begeistert: "Eine Weltfirma steigt ein, was kann es Besseres geben", meinte der Manager in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung und betonte: "Ohne lokale und regionale Bezüge ist das Vorhaben RB Leipzig schwierig umzusetzen. Das ist allen klar. Bislang haben sich doch viele Unternehmen zurückgehalten, weil sie im Fußball keine Aussicht auf Erfolg sahen. Mit Red Bull eröffnen sich neue Möglichkeiten."

Weiter, immer weiter

Und zwar fast unbegrenzte - die Mateschitz-Millionen machens möglich. Wieviel Red Bull in seine neue Fußballfiliale stecken will, ist unklar, die Ziele sind jedoch ambitioniert. In vier Jahren soll Rasenballsport Leipzig in der dritten Liga spielen und damit in den Profifußball einsteigen. In acht bis zehn Jahren will man die deutsche Bundesliga aufmischen. "In einigen Jahren sollen die Gegner also Bayern München, Schalke 04 oder HSV heißen", ist in der Firmengazette "Red Bulletin" zu lesen. Markus Egger, Geschäftsführer von Red Bull Soccer wird dazu mit den Worten zitiert: "Wir kommen nicht nach Leipzig, um etwas wegzunehmen - ganz im Gegenteil. Wir wollen dabei helfen, dem Fußball in dieser Region wieder den Stellenwert zu geben, den er verdient." Die Schlussfolgerung des "Red Bulletin": "Man sieht: Red Bull geht hier äußerst sensibel zu Sache, will keinen Verein kaufen, oder gar entern, sondern von Grund auf eine Mannschaft aufbauen um sie schließlich in die oberste Spielklasse des deutschen Fußballs zu führen."

In der Saison 2009/10 wird das "Stadion am Bad" noch Spielstätte sein, wenn der Aufstieg in die vierte Liga geschafft ist, findet der Umzug ins Zentralstadion statt. Die Namensrechte sind für Red Bull vorerst bis 2030 gesichert.

Fans wollen die großen Klubs sehen

Ist der Red Bull-Einstieg also ein Deal, bei dem alle gewinnen? Das Stadion steht nicht mehr leer, der österreichische Konzern erschließt neue Werbefelder und die Fans sehen endlich Top-Fußball in Leipzig? Die Meinungen letzterer gehen jedenfalls auseinander, so ablehnend wie im Beispiel Salzburg sind sie aber nicht. Das könnte daran liegen, dass in Österreich ein durchaus erfolgreicher und beliebter Erstligist übernommen wurde, während in Leipzig der Durst nach großen Fußball so groß ist, dass man den Verlust eines Kleinstadtvereins verschmerzen kann. "Ich würde gerne mal mit meinem Sohn in ein voll gefülltes Zentralstadion mit entsprechender Fanstimmung gehen zum Beispiel gegen den HSV oder FC Bayern!", meint etwa ein User im Forum der Lokalzeitung LVZ.

Dagegen sind vor allem die Anhänger und Vertreter der Traditionsverein der Region, Sachsen und Lok Leipzig. Das Zusammentreffen von Rasenballsport Leipzig mit den beiden Klubs birgt jedenfalls jede Menge Konfliktpotenzial. Unmut über den Red-Bull-Einstieg zeigten auch Unbekannte, die am Wochenende den Rasen im "Stadion am Bad" mit Unkrautmitteln beschädigten und Werbebanden mit Anti-Red-Bull-Parolen beschmierten.

Anfang Juli beginnt das erste Training des neuen "Bullen"-Klubs. In Markranstädt wird dann eine neue Fußball-Ära beginnen. Und nicht alle werden sich darüber freuen. Eine Neugründung des Klubs wie in Salzburg, wo Austria Salzburg kürzlich den Aufstieg in die 1. Landesliga feierte, ist derzeit aber nicht in Planung.

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