Neonazi-Angriff bei deutschem Fußball-Match

40 bis 50 rechte Fans stürmten ein Bezirksliga-Spiel und gingen auf die gegnerischen Spieler und Fans los. Drei Personen wurden teils schwer verletzt. Auch ein Ordner soll sich unter die Angreifer gemischt haben.

Bei einem Angriff von Neonazis auf Fans und Spieler eines Leipziger Fußball-Vereins sind drei Menschen verletzt worden. Nach Mitteilung der Polizei in Dresden vom Sonntag waren am Vortag beim Bezirksklasse-Spiel zwischen dem FSV Brandis und Roter Stern Leipzig in der Kleinstadt nahe Wurzen etwa 40 bis 50 Personen, die dem politisch rechten Spektrum zuzurechnen seien, auf die Gäste-Fans losgegangen. Dabei seien zwei Leipziger Anhänger sowie der Torhüter der Leipziger Mannschaft verletzt worden. Das Spiel wurde abgebrochen.

Die Anhänger des Leipziger Vereins kritisierten einen unzureichenden Schutz durch Ordner des gastgebenden Vereins und der Polizei. Nach ihren Angaben hatten der Klub in Brandis sowie die Polizei bereits im Vorfeld Kenntnis von der zu erwartenden Randale gehabt.

"'Die Dummen' kommen noch"

Der Verein Roter Stern Leipzig, der immer wieder offen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Homophobie auftritt, schilderte auf seiner Homepage: "Kurz vor Spielbeginn wurden Fans des RSL durch Lautsprecherdurchsagen gebeten, eine Seite des Sportplatzes zu räumen, weil 'die Dummen noch kommen'. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass ein Brandiser Ordner der angreifenden Personengruppe einen separaten Eingang öffnete, sich daraufhin vermummte und an den Auseinandersetzungen auf Seiten der Nazis teilnahm."

Bei der Auseinandersetzung wurden Latten, Eisenstangen und Feuerwerkskörper verwendet. Unter Rufen wie "Scheiß Zecken" und "Scheiß Rote" stürmten die Angreifer das Spielfeld. Erst nach dem Eintreffen weiterer Polizisten konnte das Stadion "Sportplatz Freundschaft" geräumt werden. Bis dahin mussten sich die attackierten Fans selbst verteidigen. "Gegebenenfalls leiten wir rechtliche Schritte ein", sagte ein Sprecher des Leipziger Vereins.

Beim FSV Brandis meldete sich Vereinssprecher Gerd Große zu Wort: "Wir haben über einen Seiteneingang die keulenden Truppen auf das Gelände des Sportplatzes gelassen, was sich als Fehler herausstellte", sagte er im Mitteldeutschen Rundfunk MDR. "Aber wir schätzen es so ein, dass die so aufgebracht waren, dass wir sie auf keinen Fall hätten aufhalten können. Die waren so was von aggressiv, dass wir keine andere Möglichkeit sahen, als sie auf der rechten Seite hereinzulassen", so Große, der von der Gewaltbereitschaft des Mobs entsetzt war: "Ich habe in die Gesichter von 50 Mördern geguckt."

(Ag./Red.)

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