Fußball: Weltmeister bei der Trikotwerbung

Österreichs zehn Bundesligisten erlösen mit Trikotwerbung 2,7 Millionen Euro – im Schnitt genauso viel Geld wie die 18 Vereine der spanischen Primera División.

(c) GEPA (Josef Bollwein)

WIEN. Worin besteht der Unterschied zwischen Rapids oder Austrias Auftritten in der Tipp3-Bundesliga und jenen in der Europa League? Nicht in spielerischer Hinsicht, sondern in rein optischer. Richtig: Während die Uefa für ihre Cup-Bewerbe die Trikotwerbeflächen auf einen Schriftzug auf der Brust beschränkt, wählt die heimische Liga den umgekehrten Zugang: Sie gibt lediglich vor, wie groß das Bundesligalogo, die Rückennummer und der Spielername sein müssen. Die übrigen Flächen am Outfit stehen für Werbung offen – was nicht selten dazu führt, dass die Kicker wie wandelnde Litfaßsäulen aussehen.

Genau dieser Umstand hat nun zu einem bemerkenswerten Ergebnis der vom Kölner Beratungsunternehmen „Sport + Markt“ durchgeführten Erhebung zum Thema Trikotsponsoring geführt: Unter acht europäischen Fußballligen (Deutschland, England, Italien, Spanien, Niederlande, Frankreich, Österreich und Schweiz) rangiert die heimische Bundesliga zwar nur an vorletzter Stelle, was die absoluten Beträge für Trikotsponsoring betrifft. Auf die Klubs umgerechnet aber liegt Österreich gleichauf mit Spanien auf Rang vier: 2,7Millionen Euro kassiert jeder der zehn Vereine für die applizierten Logos.

 

Teure Werbepakete

Möglich sei dies, sagt Julia Kunkel von „Sport + Markt“, weil „gemeinsame Deals für Klubnamen und Trikot üblich sind.“ Die Integration des Sponsors in den Klubnamen ist in anderen Ligen verboten. In Deutschland etwa versuchte Hannover 96 gestern, Dienstag, daran zu rütteln, um Red Bull als Partner zu gewinnen. Die Bemühungen der Hannoveraner, die auch vom FSV Frankfurt unterstützt wurden, fanden aber keine Mehrheit.

Weil es diese Verflechtung in Österreich gibt, sei es entsprechend schwierig gewesen, die Zahlen zu filtern, sagt Kunkel, individuelle Summen zu den zehn Bundesligisten wollte sie nicht nennen. Nur so viel: Salzburg sei dank Red Bull – wenig erstaunlich – die Nummer eins des Landes. International ist mit 20 Millionen Euro Bayern München top, T-Mobile der Sponsor.

Aufgrund der 2,7 Millionen Euro auf Reichtum der österreichischen Mannschaften zu schließen, ist gefährlich. Denn nirgendwo in Europa sei der Anteil des Trikotsponsorings am Budget so hoch wie in Österreich, sagen die Studienautoren, wobei dieser bei durchschnittlich 50 Prozent liegt.

Die Flut an Trikotsponsoren habe aber auch ihre Schattenseiten: Sie drücke den Preis, ist Kunkel überzeugt, weil es unmöglich sei, Werbepartnern Exklusivität einzuräumen.

Dass Frankreichs 20 Ligue-1-Vereine im Schnitt nur 1,9 Millionen Euro lukrieren, ist einigen Auflagen geschuldet. Private Wett- oder Glücksspielanbieter dürfen nicht als Trikotsponsoren auftreten. Das ist für französische Vereine unangenehm, aber auch für ausländische Mannschaften: In Erinnerung ist die Tour de France 2007. Daran wollte das belgische Unibet.com-Team teilnehmen, erhielt aber kein Startrecht. Weil – so die offizielle Begründung – der Rennstall für den privaten Wettanbieter Werbung machte.

Im Jahr davor waren die beiden Vorstände des österreichischen Wettanbieters bwin, Norbert Teufelberger und Manfred Bodner, vorübergehend festgenommen worden, weil ihr Unternehmen illegal auf den Trikots von AS Monaco und Toulouse geworben hatte.

Verboten ist in Frankreich aber auch die Werbung für Alkohol. Im Gegensatz zu Österreich, wo Bierbrauer Stiegl als Sponsor des Fußball-Cups und die Puntigamer-Brauerei als Namenssponsor von Bundesligist Sturm Graz auftritt.

 

Wettanbieter klopfen an

Noch sind Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen mit einem Volumen von 79,1 Millionen Euro die größten Sponsoren der Fußballvereine. Dahinter rangieren Lotterien und Wettanbieter mit 56,9 Millionen Euro an zweiter Stelle. Noch. Denn besonders in Deutschland ist das Werbeverbot für diese Branche höchst umstritten. Derzeit aber wird versucht, dieses Verbot mit allen Mitteln umzusetzen. Die Bremer Stadtregierung will nun den Verkauf von Real-Madrid- und AC-Milan-Trikots verbieten, weil auf ihnen der bwin-Schriftzug prangt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2009)

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