Die Fußballwelt bestaunt die "Enkelsöhne Cruyffs"

Ajax Amsterdam begeisterte gegen Juventus Turin einmal mehr mit seinem Angriffsfußball. Die Talentprobe von Kapitän Matthijs de Ligt und seinen jungen Kollegen weckt Erinnerungen an den Titelgewinn 1995.

Ajax jubelt
Ajax jubelt
Ajax jubelt – APA/AFP/MARCO BERTORELLO

Die Glanzzeiten von Ajax Amsterdam kennt Matthijs de Ligt nur aus Erzählungen. Im Jahr 1997, als die Niederländer zuletzt in einem Halbfinale der Champions League standen, war der Kapitän der aktuellen Mannschaft noch gar nicht geboren. Am Dienstagabend schrieben die „Enkelsöhne Cruyffs“ („Gazzetta dello Sport“) am neuesten Erfolgskapitel der langen Klubgeschichte, de Ligt selbst besorgte den 2:1-Siegtreffer bei Juventus Turin und besiegelte damit den Aufstieg. „Es ist das erste Mal, dass ich Ajax so erfolgreich erlebe und dass ich dabei auf dem Feld gestanden bin, ist bizarr“, erklärte der 19-Jährige.

Der nächste unerschrockene Auftritt nach dem Achtelfinal-Coup gegen Real Madrid von de Ligt, Frenkie de Jong oder Donny van de Beek, beide 21, weckt nicht nur in den Niederlanden Erinnerungen an den Titelgewinn von 1995 – der Beginn der Weltkarrieren von Patrick Kluivert, Edgar Davids oder Clarence Seedorf. Damals wie heute begeistert Ajax mit einem starken Kollektiv, an der Seite der Routiniers wie Dusan Tadic und Lasse Schöne blühen die Talente in dem schnellen, kombinationsreichen Angriffsfußball auf. Das Limit sieht Trainer Erik ten Hag noch lange nicht erreicht: „Dieses Team wächst und wächst. Wir wissen, wie wir jedes Mal die Grenzen verschieben können.“

Für Ajax war es bereits das 52. Pflichtspiel der Saison, angesichts der jüngsten Leistungen – wie gegen Real wurden etliche Chancen auf einen noch höheren Sieg vergeben – ist man geneigt zu vergessen, dass der CL-Lauf in der 2. Qualifikationsrunde gegen Sturm Graz begonnen hat. „Jetzt stehen wir im Semifinale und haben einen weiteren Titelfavoriten ausgeschaltet“, gab sich de Ligt selbstbewusst. „Wir werden sehen, wohin das führen wird, aber wir wissen was wir können und werden es allen anderen auch zeigen.“

Ein Ronaldo reicht Juve nicht

Juventus muss weiter auf den ersten CL-Triumph seit 1996 warten. „Ronaldo reicht nicht aus“, hielten Italiens Gazetten fest. Dabei tat der Portugiese sein Möglichstes: Sechs der 14 Juve-Tore im Bewerb hat er selbst geschossen, zwei weitere vorbereitet und im Achtelfinale gegen Atlético Madrid quasi im Alleingang für den Aufstieg gesorgt. „Er hat uns sehr viel gegeben, aber im Viertelfinale brauchst du jeden Spieler“, erklärte Trainer Massimiliano Allegri, der bei der „alten Dame“ weitermachen darf. Ronaldo trottete mit glasigen Augen vom Platz, erstmals seit 2010 erlebt er ein Halbfinale nur noch als Zuschauer. Erzrivale Lionel Messi darf mit Barcelona (Gesamt 4:0 gegen Manchester United) hingegen weiter vom Titel träumen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2019)

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