Offensive mit Herz in der Frauen-Bundesliga

Der Saisonstart wird von der bislang größten Kampagne begleitet, denn Nachwuchs wird dringend gesucht. Neben gesteigerter Präsenz in Fernsehen und Social Media soll ein Analyse-Portal auch die Spielqualität erhöhen.

Spielerinnen am Medientag
Spielerinnen am Medientag
Spielerinnen am Medientag – (c) ÖFB/Christopher Glanzl

Wien. Am Wochenende startet die Frauen-Bundesliga in ihre 38. Saison und strebt in Sachen Aufmerksamkeit und Präsenz eine neue Ära an. Unter der Regie des ÖFB, wurde die größte Kampagne „#mitHerz“ in diesem Bereich lanciert. Das Ziel: Mehr mediale Aufmerksamkeit und höhere Spielqualität, um das Interesse von Mädchen für Fußball zu schüren.

Mindestens zehn Live-Spiele im ORF sowie ergänzende Übertragungen auf ÖFB-TV und eine wöchentliche Magazin-Sendung (Premiere am Freitag um 21.15 Uhr auf ORF Sport+) sichern den Fußballerinnen ihren Platz im Fernsehen. Ergänzend sollen Torshows, Vereinsporträts und Spielerinnen-Clips in den sozialen Medien die Jugend erreichen – die Zielgruppe, die für die sportliche Zukunft relevant ist. Denn der EM-Höhenflug des Nationalteams von 2017 hat zwar einen Boom bewirkt, an der Basis hat Österreich jedoch nach wie vor gewaltigen Aufholbedarf. Während beim ÖFB rund 20.000 Spielerinnen registriert sind, können die Niederlande, zuletzt Europameister und WM-Finalist, bei doppelt so hoher Einwohnerzahl aus einem Pool von über 150.000 Aktiven schöpfen.

Zuschauerschnitt heben

Die andere große Baustelle findet sich auf den Rängen, nicht nur in der Bundesliga. Nach der erfolgreichen EM-Endrunde hat sich beim Nationalteam der Schnitt in der jüngsten WM-Qualifikation auf 2700 Fans fast verdreifacht, der Rekord von 3600 vom EM-Play-off gegen Russland 2012 blieb jedoch unerreicht. „Bei den Zuschauerzahlen haben wir großen Aufholbedarf“, weiß Isabel Hochstöger, Leiterin für Mädchen- und Frauen-Fußball im ÖFB, die mangels seriöser Vergleichszahlen auf konkrete Zielsetzungen in der Liga verzichtet. „Die Community wird durch mehr Spielerinnen weiter wachsen.“ Hierfür sind ab September Nachwuchsprojekte mit den Landesverbänden geplant. Bereitschaft und Leidenschaft bei Spielerinnen und Klubs ist gleichermaßen vorhanden, davon ist die Ex-Spielerin nach persönlichen Besuchen im ganzen Land überzeugt: „Das Feedback war überwältigend.“

Nicht zuletzt soll die Liga durch eine Qualitätssteigerung an Attraktivität gewinnen. Dafür wurde einerseits das Format adaptiert: Die 2. Liga wird erstmals bundesweit und ohne B-Auswahlen der Bundesligisten ausgetragen. Diese treten in einer eigenen Future League gegeneinander an, die Doppel-Veranstaltungen sollen Talenten mehr Spielzeit zu ermöglichen und gleichzeitig Ressourcen schonen. Andererseits nahm der ÖFB gut 40.000 Euro in die Hand, um den Klubs ein eigenes Analyse-Portal bereitzustellen. Damit ist erstmals ein Videostudium aller Ligaspiele möglich, wodurch auch kleinere Klubs ihre eigenen Auftritte detaillierter aufarbeiten können, zugleich wird die Gegnervorbereitung erleichtert – und die besten Szenen lassen sich wiederum für die Videoclips nutzen.

Argumente für Männerklubs

Die Kampagne ist für Hochstöger ein Meilenstein, zugleich soll sie nur der Anfang sein. Ob dem internationalen Trend folgend auch in Österreich zu St. Pölten, Sturm Graz, Landhaus/Austria und Wacker Innsbruck bald weitere aus dem Männer-Fußball bekannte Klubs in der Frauen-Bundesliga stoßen werden, liegt für die ÖFB-Funktionärin in deren Hand. „Aufoktroyieren bringt nichts, aber es gibt genug Argumente. Vielleicht möchten sie künftig nicht nur 50, sondern 100 Prozent der Bevölkerung repräsentieren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2019)

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