Fußball: Fifa lobt "beste Frauen-WM" aller Zeiten

Der Weltverband sah eine "hervoragende Stimmung" in den Stadien, "eine tolle Organisation" und überhaupt ein "fantastisches Turnier". Die sechste WM hatte aber auch ihre Schattenseiten.

(c) Dapd (Ronny Hartmann)

Der Fußball-Weltverband hat die Frauen-WM in Deutschland in den höchsten Tönen gelobt. Die Organisatoren um Steffi Jones dürfen sich die Hände reiben - obwohl das frühere Ausscheiden der DFB-Auswahl die Bilanz trübt. "Es ist die beste Frauenfußball-WM der Fifa seit Bestehen", sagte Fifa-Frauenfußball-Abteilungsleiterin Tatjana Haenni vor dem Endspiel zwischen den USA und Japan am Sonntag.

Die Schweizerin meinte weiter: "Wir sind super glücklich mit allem. Natürlich war es für Titelverteidiger Deutschland eine große Überraschung, dass er sich nicht fürs Halbfinale qualifiziert hat. Aber wenn man es neutral von außen betrachtet, dann ist das Turnier fantastisch."

Licht und Schatten der WM

Die sechste Weltmeisterschaft hatte aber auch ihre Schattenseiten: Erst wurde Kolumbiens Torfrau Yineth Varon positiv getestet, dann erwischte es die beiden Nordkoreanerinnen Song Jong-Sun und Jong Pok-Sim. Nach dem letzten Gruppenspiel des Asienmeisters gegen Kolumbien musste die ganze Mannschaft zur Dopingkontrolle - ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Fifa. Das Ergebnis steht noch aus. DFB-Präsident Theo Zwanziger sprach von einem "menschenverachtenden System in Nordkorea, in dem versucht wird, Sportler mit allen Mitteln zu Erfolgen zu führen".

Medial war die WM ein voller Erfolg: Die Zeitungen berichteten jeden Tag seitenweise, die TV-Einschaltquoten - mit knapp 17 Millionen Zuschauern während des Viertelfinal-Aus Deutschlands gegen Japan als Spitzenwert - schlugen alle Rekorde. Doch ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz prophezeite, dass der Frauenfußball wieder von der Bildfläche verschwinden werde. Spiele der Frauen-Bundesliga werden auch in Deutschland in Zukunft mitnichten regelmäßig live im Fernsehen zu sehen sein.

'Ein Fußball-Paradies'

Die Besucher in den neun WM-Stadien genossen die friedliche Atmosphäre eines Familienurlaubs: keine Polizei-Aufgebote, keine betrunkenen Fans, keine gefährlichen Feuerwerkskörper. Vor dem Spiel um Platz drei zwischen Schweden und Frankreich am Samstag in Sinsheim und dem Finale in Frankfurt haben etwa 771.400 Zuschauer die Spiele gesehen, im Schnitt 25.700.

1999 in den USA und 2007 in China wurde zwar ein Durchschnitt von über 37.000 erreicht, doch damals fanden teilweise zwei Partien an einem Tag in einem Stadion statt - und die Veranstalter zählten die Besucher doppelt. Jedenfalls hat das Organisationskomitee die erhoffte Auslastung von 80 Prozent erreicht und kann den WM-Etat von 51 Millionen Euro ausgleichen.

Die Spielerinnen waren begeistert von der ungewohnten Aufmerksamkeit, die sie genossen. "Es ist ein Fußball-Paradies", schwärmte Mexikos Maribel Dominguez. "Danke Deutschland! Eine tolle Organisation", sagte die schwedische US-Trainerin Pia Sundhage. "Dieses Turnier hat den Frauenfußball auf der ganzen Welt weitergebracht."

Fußball, der um die Welt geht

Fifa-Funktionärin Haenni lobte die "hervorragende Stimmung" in den Stadien. "Aber das Wichtigste ist: Die ganze Welt sieht, dass Frauenfußball eine tolle Sportart ist und dass wir ihn weiterbringen." Sportlich mussten die Fans dennoch einige Abstriche machen - vor allem in der Gruppenphase. Die Schiedsrichterinnen gaben sich teilweise der Lächerlichkeit preis: Ein von der Ungarin Gyoengyi Gaal nicht geahndetes Handball-Spiel  Äquatorialguineas war die Slapstick-Einlage des Turniers.

"Letztlich hat die WM Maßstäbe gesetzt in einer Größenordnung, die wir uns alle nicht vorstellen konnten", sagte Jones OK-Präsidentin. Viele Macher in Deutschland sind geradezu euphorisiert. Siegfried Dietrich, Manager des deutschen Rekordmeisters 1. FFC Frankfurt, sagte der Zeitung "Die Welt": "Ich glaube daran, dass der Frauenfußball unter den Frauen die Sportart dieses Jahrtausends ist." In Österreich stehen an diesem Wochenende aber längst schon wieder die Männer im Mittelpunkt.

(APA)

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