Edi Glieder: „Schalke war das Schönste“

Glieder hat schöne Erinnerungen an Gelsenkirchen. Sein Transfer zu Schalke sorgte 2003 für Aufsehen. Er blickt nicht ohne Stolz auf diese eine Saison zurück. Heute trainiert er Regionalligisten Vorwärts Steyr.

Glieder Schalke Schoenste
Glieder Schalke Schoenste
(c) AP (RUDI BLAHA)

In Österreich nannten sie ihn liebevoll „Euro-Edi“, in Deutschland wurde er als „Ösi-Bomber“ präsentiert. Es war der Sommer 2003, als sich Eduard Glieder als damals 34-Jähriger doch noch den Traum von der Bundesliga erfüllte. In der Zeitung „Revier Sport“ wird dieser Transfer als einer der kuriosesten in der Geschichte des FC Schalke bezeichnet, der gebürtige Steirer hingegen blickt nicht ohne Stolz auf diese eine Saison bei den Königsblauen zurück. „Es war ein schönes Erlebnis.“
Edi Glieder hatte beim GAK, bei Austria Salzburg, beim FC Tirol und bei Pasching überzeugt, den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft. Und ausgerechnet mit dem Linzer Vorortklub  gelang es ihm, bei einem international renommierten Verein aufzufallen. Pasching hatte sich durch alle Unterligen hochgekämpft, die erste Saison im Oberhaus glich einem Wunschkonzert. Rang fünf wurde es am Ende, die Qualifikation für den UI-Cup war geschafft. Und diese Vorstufe zum Uefa-Cup sollte Glieders Bühne werden. Denn die Paschinger eliminierten, was so daherkam. In der vierten Runde sollte Werder Bremen dran glauben, in der fünften Runde (Finale) hieß der Gegner Schalke.
Der mehrfache deutsche Meister befand sich auf Stürmersuche, wochenlang wurde darüber spekuliert, ob Schalke Superstar Morientes tatsächlich ins Ruhrgebiet lotsen könnte. Aber statt Morientes nahmen die Königsblauen letztlich Edi Glieder unter Vertrag. Die Sparvariante löste in Gelsenkirchen zunächst größte Verwunderung aus, der Österreicher aber wurde auf Schalke zu einem der Publikumslieblinge. Dabei hat Glieder bei Schalke rein sportlich gesehen fast gar keine Rolle gespielt.

Rudi Assauer fädelte Deal ein

Der damals mächtige und permanent zigarrenpaffende Rudi Assauer hatte den Deal mit den Paschingern eingefädelt, ins Ruhrgebiet wechselte Edi Glieder allein, die Familie und die schulpflichtigen Kinder hätten später nachkommen sollen. Aber der kurzfristige Kontrakt wurde nicht verlängert. „Schalke war das Schönste, was ich in meiner Karriere erleben durfte“, sagt Glieder heute. Von den insgesamt 30 Spielen hat der Stürmer einige aus Verletzungsgründen verpasst, wenn er fit war, stand er immerhin – mit einer Ausnahme – im Kader. Zudem gelangen ihm zwei Tore in der Bundesliga. „Es gibt nichts zu bereuen.“ Trotz Reservistendasein.
Eigentlich hatte Glieder mit 34 den Traum vom Ausland bereits abgehakt, „aber der Fußball schreibt eben die seltsamsten Geschichten“. Doch der Steirer konnte sich bei der enormen Konkurrenz (25-Mann-Kader) nicht durchsetzen. Und über Trainer Jupp Heynckes verliert er kein böses Wort. „Menschlich total in Ordnung, international angesehen.“ Schalke, so sagt Glieder heute, war eine sehr wertvolle Erfahrung. „Ich habe sehr viel mitgenommen.“
Edi Glieder hat nach seinem Jahr in Gelsenkirchen noch einmal für Pasching gespielt, später für Kärnten, Grödig – und ein letztes Mal für Pasching. Erst dann war endgültig Schluss. Die ersten Sporen als Trainer hat sich der ehemalige Schützenkönig, der in Österreich fünfmal Meister war, bei Grödig verdient. Auch bei Red Bull (U19) hat er sich versucht. Seit 2010 pendelt der Steirer nach Steyr. Ein Traditionsklub, der nach dem Konkurs wieder bei null beginnen musste.
Der ehemalige Schalke-Legionär ist mit der Entwicklung des österreichischen Fußballs nicht unzufrieden, zumindest, was die Nachwuchsarbeit betrifft. Kritik übt er dennoch. „In Österreich gibt es viele Jungprofis, die zu schnell zufrieden sind. Mir kommt vor, dass die Jungs in Deutschland hungriger sind. Bissiger. Das gibt es in Österreich auch, aber eben viel seltener.“ Aufgabe der Klubs sei es auch, junge Spieler gut auszubilden „und dann ins Ausland zu bringen“, sagt der 42-Jährige.
Fußball in Österreich und in Deutschland, das sei auch eine Frage der Mentalität. „Was fordert ein Spieler von sich selbst?“, fragt sich Glieder. „Für den Erfolg muss man hart arbeiten.“

Zur Person

Edi Glieder (* 28. Jänner 1969, Graz) spielte von 1987 bis 2009 als Profi unter anderem für GAK, Austria Salzburg, FC Tirol, Pasching und Schalke 04. Glieder wurde fünfmal österreichischer Meister (zweimal mit Salzburg und dreimal mit Tirol). 1999 wurde er mit 22 Treffern Torschützenkönig in der Bundesliga. Elfmal trat elfmal für die ÖFB-Nationalmannschaft an und erzielte vier Tore.
Glieder trainiert derzeit den Regionalligisten Vorwärts Steyr.

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