Die schönste Admira-Niederlage

Die Wiener Austria verliert bei Sturm Graz mit 1:3, verpasst damit den Europacup, Trainer Ivica Vastić muss gehen. Die Südstädter bleiben als Dritte der Sensationsaufsteiger.

Die Admiraner jubeln über die Teilnahme am Europacup
Die Admiraner jubeln über die Teilnahme am Europacup
(c) GEPA pictures (Gepa Pictures/ Walter Luger)

[SALZBURG/GRAZ] In Salzburg war man schon in Feierlaune. Den Meistertitel, den hatte man bereits vor der letzten Bundesliga-Runde in der Tasche, die ganze Konzentration gilt seit Tagen dem österreichischen Cupfinale am Sonntag gegen Ried. Das Duell gegen die Admira, an sich sensationeller Aufsteiger, hatte daher nicht oberste Priorität. Aber dennoch wollte man sich mit einem Erfolg von den eigenen Fans verabschieden, schon einmal haben sich die „Bullen“ im Finish eine Blamage eingehandelt – und wurden damals mit Pfiffen in die Sommerpause verabschiedet.

Ivica Vastić verfehlt Saisonziel

Salzburg-Trainer Ricardo Moniz nahm gestern auf solche Dinge keine Rücksicht, er mischte ganz gewaltig durch. Man durfte die Elf durchaus als zweite Garnitur bezeichnen, Austria-Trainer Ivica Vastić nahm das allerdings gelassen. Oder zumindest sportlich – und fair. „Ich bin davon überzeugt, dass auch diese Salzburger Mannschaft alles tun wird, um die Admira zu schlagen.“ Wobei seine Mannschaft in Graz selbst unter Zugzwang stand.

Sturm Graz, der entthronte Meister, entpuppte sich zunächst als schwacher Gegner. Die Steirer haben sich schon längst aus dem Europacup-Rennen herausgenommen, handelten sich gegen die Wiener auch einen frühen Rückstand ein. Gorgon hat einen Sprint angezogen, spielte ideal zur Mitte, wo Roland Linz nur auf den Ball zu warten brauchte (22.). Die Gastgeber brauchten lange, um zu guten Möglichkeiten zu gelangen, Bodul machte es dann so richtig spannend, weil er aus einem Traumtor den Ausgleich erzielte (67.).

Neun Minuten später hatte die Wiener Austria erneut Grund zum Jubel. Nicht etwa, weil die Offensive so durchschlagskräftig gewesen wäre, sondern weil es Toralarm in Salzburg gab. Die Spieler des neuen Meisters lagen sich in den Armen, als Cristiano einen perfekten Pass nützte (76.). Ausgerechnet aus einem Konter wurde die Admira, die im Abschluss an der eigenen Ineffizienz scheiterte, erwischt.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Wiener wieder auf Rang drei. Aber die Austria wurde heftig in die Defensive gedrängt, hatte bei einem Lattenschuss Glück. In weiterer Folge vergab Jun eine sogenannte hundertprozentige Chance – und das sollte sich rächen. Denn Darko Bodul war noch einmal zur Stelle, ihm gelang ein Tor der kuriosen Sorte (86.). Austrias Hintermannschaft hatte sich besonders unbeholfen angestellt. In der Nachspielzeit gelang Ehrenreich gegen zehn Mann (Gelb-Rot Leovac) sogar noch das 3:1.

In Salzburg zauberte das bei den Verlierern ein Lächeln auf das Gesicht. Da störte auch das 0:2 nicht. Die Südstädter dürfen als Aufsteiger in der kommenden Saison in der Europa League spielen.

Grün-weiße Sentimentalitäten

Eine Abschiedsparty wurde im Hanappistadion gefeiert. Helge Payer wurde mit tosendem Applaus der Fans verabschiedet, auch für Gartler, Patocka, Thonhofer und Soma hieß es Abschied nehmen von Grün-Weiß. Der Torhüter, der im Westen Wiens so beliebt war, würde gern den Sprung ins Ausland schaffen, Zypern wäre eine Variante. René Gartler wiederum steht angeblich auf der Wunschliste von Ried. Die Innviertler, die am Sonntag das Cupfinale in Wien gegen Salzburg bestreiten, wollen danach auch den Trainer für die kommende Saison präsentieren. Stefan Lexa wird nicht mehr zur Verfügung stehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18. Mai 2012)

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