Euro 2008: Hanappi wird teure Reserve-Fanmeile

Vorwürfe. Drei Millionen nur für Ordnerdienst und Sanitäranlagen; Donauinsel wäre billiger gewesen. Die ÖVP wittert Quer-Subventionierung

(c) APA (Herbert Pfarrhofer)

wien. Nur 33 Tage vor der Fußball-Europameisterschaft wächst die Kritik an der „Fanzone West“, wie die neue Fußball-Fanmeile im Hanappi-Stadion genannt wird. Während Anrainer vor allem Lärm- und Sicherheitsprobleme befürchten und dagegen Protestaktionen durchführen, sind der oppositionellen ÖVP und auch den Grünen die hohen Kosten für die Errichtung dieser Fanmeile in Hütteldorf ein Dorn im Auge. „Wenn man bedenkt, dass 1,5 Mio. Euro Miete für das Stadion an den Vermieter Stadthallen AG bezahlt wird, also ein Unternehmen, das im Eigentum der Stadt Wien steht, kommt der Verdacht der Quersubventionierung auf,“ sagt der Penzinger VP-Gemeinderat Wolfgang Gerstl.

Massive Vorwürfe kommen jetzt erstmals von jenem Veranstalter, der ursprünglich eine Fanzone auf der Donauinsel organisieren wollte. Michael Lanner von der Event-agentur „Festakt“ zur „Presse“: „Aus unserer Sicht ist es nicht nachvollziehbar, dass die Stadt Wien für das Public Viewing Hanappi rund fünf Millionen Euro ausgibt.“ Mit marktüblichen Lieferantenpreisen sei dies nicht erklärbar. Wie berichtet, hat die Agentur ihren Plan, auf der Donauinsel eine große Fanzone für 60.000 Menschen zu organisieren, Mitte April abgesagt. Grund: Es fehlten im Budget 350.000 Euro.

Zuvor hat die Stadt Wien aber ein Angebot der Agentur abgelehnt, sich finanziell zu beteiligen. 817.000 Euro hätte das Engagement der Stadt auf der Donauinsel gekostet. Um einiges weniger als für das Hanappi-Stadion, das jetzt als „Reserve“-Fanzone ausgebaut wird. Dafür macht die Stadt nämlich fünf Millionen Euro locker.

Neben der Stadionmiete wird von den Kritikern auch der Betrag von jeweils 1,5 Mio. Euro für Sanitäranlagen und für den Ordnerdienst in der neuen Fanmeile als viel zu hoch angesehen. Michael Lanner von „Festakt“: „Wir hatten für das Public Viewing auf der Donauinsel insgesamt 1,9 Mio. Euro an Budget vorgesehen – und das für mindestens 60.000 Fans. Wenn die Stadtregierung fünf Mio. für eine 40.000-Menschen-Fanzone genehmigt, so kann man ihr fahrlässige Verschleuderung von Steuermillionen vorwerfen.“ Auch die Sportsprecherin der Wiener VP, Ines Anger-Koch, schließt sich der Kritik an: „Dass Sicherheit und Sanität für die Hanappi-Fanmeile um soviel mehr kosten als es auf der Donauinsel vorgesehen war, ist nicht nachvollziehbar.“


Zweigeteilte Fanzone

Indessen wurde bekannt, dass die Fanzone Hanappi-Stadion zweigeteilt sein wird: Einerseits wird das Areal des Stadions selbst zu einer Public Viewing Zone, wo rund 18.000 Menschen Platz haben; andererseits werden die dahinter liegenden Trainingsplätze als weitere Fanzone für 22.000 Menschen vorbereitet. Gerade für diesen Bereich müsse relativ viel Geld verwendet werden, weil es hier noch keine Sitzplätze oder Verkaufsstände gibt, so der Vorwurf der VP.

Von der Stadt Wien wird die Kritik zurückgewiesen. Es handle sich um marktübliche Ausgaben für die Hanappi-Fanzone; außerdem habe es einen Beschluss gegeben, dass die Stadt sich im Zuge der Euro nicht an privaten Projekten beteiligt.

AUF EINEN BLICK

Reserve-Fanzone. 70.000 Menschen können auf der Ring-Fanzone feiern; bei großem Andrang soll kurzfristig entschieden, werden, ob die Fanzone Hanappi in Hütteldorf geöffnet wird. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2008)

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