Nostalgie: Trafikanten und Tankstellenbesitzer

Nicht alle Repräsentanten der sogenannten 78er-Generation haben die große internationale Karriere gemacht oder ausgesorgt.

(c) GEPA (Martina Wohlesser)

Immer dann, wenn Österreich im Fußball auf Deutschland trifft, dann wird die „78er-Generation“ bemüht. Gerne werden diese Spieler, die bei der Weltmeisterschaft 1978 ihren Mann gestellt haben, als Helden bezeichnet. Einige der Profis haben in weiterer Folge internationale Karriere gemacht, sind auch heute noch omnipräsent.

Helmut Senekowitsch, der damalige Teamchef, ist im September des Vorjahres verstorben, Bruno Pezzey erlag im Alter von 39 Jahren einem Herzversagen. Andere sind in Vergessenheit geraten, konnten den Ruhm nicht versilbern. Dazu gehört beispielsweise Edi Krieger, unter Ernst Happel mit dem FC Brügge im Europacup-Finale, beim 3:2 gegen Deutschland 1978 Vorbereiter zweier Tore. Der heute 61-Jährige wurde Opfer von Fehlspekulationen an der Börse, mit seinem Café musste er Konkurs anmelden. In den vergangenen Jahren hielt sich Krieger als Busfahrer und Betreiber eines Gemüsestandes über Wasser.Das gestrige Euro-Duell verfolgte er daheim vor dem Fernseher.


Helmut Senekowitsch (1933 - 2007): Trat 9 Tage nach dem 3:2 und nach 26 Spielen als Teamchef (14 Siege, 4 Remis, 8 Niederlagen) zurück. Arbeitete in der Folge als Clubtrainer von Guadalajara, Athletic Bilbao, Panathinaikos, Olympiakos, Frankfurt, AEK Athen, GAK, Guadalajara, Cadiz, Panionios, Omonia Nikosia, Lask, FAC, Vienna (bis Juni 1997). War bis zu seinem Tod am 9. September 2007 Präsident des Bundes Österreichischer Fußball-Lehrer.
Josef Hickersberger (59 Jahre): Auch für den heutigen ÖFB-Teamchef endete die Teamkarriere (39 Länderspiele zwischen 1968 und 1978) in Cordoba. Wechselte im Sommer 1978 von Düsseldorf zu Wacker Innsbruck, spielte später bei Rapid, Baden, Pama, Forchtenstein (bis 1986). Ab 1987 U21-Teamchef, ab Dezember 1987 bis 1990 ÖFB-Teamchef. Danach: Fortuna Düsseldorf, Austria Wien, Al Ahli, Arab Contractors, Al Shaab, Al Wasl, Al Etehad Sports Club, Rapid. Seit Jänner 2006 erneut ÖFB-Teamchef.
Walter Schachner (51): Beendete seine Teamkarriere 1988 nach 63 Einsätzen in 12 Jahren. Wechselte im Sommer 1978 von Donawitz zu Austria Wien, spielte später auch bei Cesena, AC Torino, Pisa, Avellino, Sturm Graz, GAK, FC Salzburg, St. Pölten, Donaufeld, Donawitz, DSV Leoben, FC Tirol, Kottingbrunn, Eintracht Wels. Ab 1999 Trainer bei Zeltweg, FC Kärnten, Austria Wien, GAK, 1860 München und Austria Kärnten zurück, wo er bis Dezember auf der Bank saß.
Hans Krankl (54): Beendete seine Teamkarriere 1985 nach 15 Jahren und 69 Länderspielen. Wechselte im Sommer 1978 von Rapid zum FC Barcelona, spielte danach bei Vienna, Rapid, Sportclub, Krems, Salzburg (bis 1989). Trainer von Sportclub, Rapid, Mödling, Tirol, Mödling, Gerasdorf, Austria Salzburg, Fortuna Köln, Admira Wacker (bis 2001). Von 2002 bis 2005 ÖFB-Teamcoach. Derzeit Zeitungskolumnist und TV-Analytiker.
Bruno Pezzey (1955 - 1994): Beendete seine Teamkarriere 1990 nach 15 Jahren und 84 Länderspielen. Wechselte im Sommer 1978 von Innsbruck zu Eintracht Frankfurt. Spielte später auch bei Werder Bremen und FC Tirol (bis 1990). Ab 1991 Co-Trainer der ÖFB-U21-Auswahl. Verstarb am 31. Dezember 1994 bei einem Promi-Eishockey-Match im Alter von 39 Jahren an Herzversagen.
Herbert Prohaska (52): Beendete seine Teamkarriere 1989 nach 15 Jahren und 83 Länderspielen. Spielte bis 1980 bei Austria Wien, später bei Inter Mailand, AS Roma und wieder Austria (bis 1989). Trainer von Austria Wien (1990 bis 1992 und 1999/2000) sowie der ÖFB-Auswahl (1993 bis 1999). Heute ORF-Chefanalytiker, Zeitungskolumnist und Schirmherr der Red Zac Ersten Liga.
Willy Kreuz (58): Beendete seine Teamkarriere 1981 nach 12 Jahren und 56 Länderspielen. Wechselte im Sommer 1978 von Feyenoord Rotterdam zur Voest, spielte in der Folge auch noch bei Eisenstadt und Untersiebenbrunn. Trainer u.a. bei Admira, Voest, Stockerau, St. Pölten und SV Donau. Führt heute eine Trafik im Wohnpark Alt Erlaa (Wien).
Erich Obermayer (55): Beendete seine Teamkarriere 1985 nach 15 Jahren und 50 Länderspielen und spielte zwischen 1969 und 1989 bei Austria Wien. War danach als Co-Trainer bei Austria Wien, zwischen 1993 und 1999 auch beim ÖFB-Team tätig. Heute Tankstellen- und Kaffeehausbesitzer in Wien.
Robert Sara (61): Kapitän beim 3:2 in Cordoba. Beendete seine Teamkarriere 1980 nach 15 Jahren und 55 Länderspielen. Spielte zwischen 1964 und 1985 bei Austria (über 1000 Spiele), danach beim FavAC, FAC (bis 1988). Zweimal Interimstrainer bei Austria Wien (1988 und 1999), Co-Trainer von 1988 bis 1992 und von 1996 bis 1999. Co-Trainer bei den Austria Amateuren.
Friedl Koncilia (59): Beendete 1985 nach 15 Jahren und 84 Länderspielen seine Teamkarriere. Wechselte im Sommer 1978 von Innsbruck zu Anderlecht und spielte später bei Austria (bis 1985). War Trainer von Gamba Osaka, von 1998 bis 2000 Sportdirektor der Wiener Austria und Trainer von SV Bad Ischl (bis 2007). In den 90er-Jahren Gemeinderat in Wr. Neudorf, heute Hotelier in Bad Ischl.
Heinrich Strasser (59): Beendete seine Teamkarriere 1979 nach 10 Jahren und 26 Länderspielen. Spielte nach Cordoba weiter bei Admira Wacker, später bei Simmering, Vienna und Schwadorf (bis 1984). Später U18-Trainer bei Rapid und Co-Trainer Hans Krankls bei Admira Wacker. Heute Angestellter der Bausparkasse der Ersten Bank.
Edi Krieger (61): Beendete nach Cordoba, 8 Jahren und 25 Länderspielen seine Teamkarriere. Wechselte im Sommer 1978 vom FC Brügge zum Lask, spielte später noch beim LAC. Trainer bei verschiedenen Unterligisten. Heute Frühpensionist in Wien.
Franz Oberacher (54): Wurde in der 71. Minute für Schachner eingewechselt. Beendete nach 9 Jahren und 8 Länderspielen 1985 seine Teamkarriere. Spielte nach Cordoba bei Wacker Innsbruck, Nürnberg, Alkmaar, Austria Klagenfurt und Axams (bis 1990). Leitet heute in Innsbruck ein Veranstaltungs- und Schulungszentrum.

AUSGANGSLAGE

Österreichs Team war bei der WM 1978 schon vor dem Spiel gegen Deutschland aus dem Rennen. Nach einer starken Vorrunde mit Siegen über Spanien (2:1) und Schweden (1:0) erwiesen sich in der Zwischenrunde Italien (0:1) und Holland (1:5) als zu stark. Deutschland hätte mit einem Remis noch das Spiel um Platz 3 erreichen können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2008)

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