Beckenbauer fordert Mitsingpflicht bei der Hymne

"Die Begeisterung muss vor dem Anpfiff einsetzen", sagt Franz Beckenbauer. Nun diskutieren auch Deutschlands Politiker, ob das Mitsingen der Hymne zur Pflicht für alle Teamspielerwerden soll.

Deutsche Spieler bei der Hymne
Deutsche Spieler bei der Hymne
Deutsche Spieler bei der Hymne – (c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)

Das Gesangsduell vor dem Halbfinale zwischen Deutschland und Italien endete klar zu Gunsten der Italiener, bei der im Gegensatz zur deutschen Mannschaft rund um Kapitän Gianluigi Buffon alle Spieler lautstark die eigene Hymne mitsangen. Auch das Spiel endete mit einem Sieg für Italien.

Für Franz Beckenbauer ist das kein Zufall. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung spricht sich der "Kaiser" für das verpflichtende Mitsingen der Hymne für die DFB-Teamspieler aus. "Die Begeisterung muss vor dem Anpfiff schon einsetzen – und dabei hilft gemeinsames, lautes Singen. Bei der Hymne vor meinem ersten Spiel als DFB-Teamchef 1984 kauten unsere Spieler Kaugummi oder guckten in die Luft. Die Argentinier dagegen sangen aus vollem Herzen – und gewannen 3:1. Da habe ich den Text unserer Hymne an die Spieler verteilen lassen und die Singpflicht eingeführt. So wurden wir 1990 Weltmeister", erklärte Beckenbauer. ​

Deutschlands Teamchef Joachim Löw hatte seinen Spielern frei gestellt, ob sie bei der Hymne mitsingen. Den Junioren-Nationalteams verpasste DFB-Sportchef Matthias Sammer hingegen eine "freiwillige Singpflicht". Wer nicht mitsingt, muss dies begründen.

Mitsingen der Hymne wird zum Politikum

Beckenbauers Aussage ließ postwendend eine Diskussion entstehen, die auch die Politik erfasste. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) stellte sich auf Beckenbauers Seite: "Es sollte zum guten Ton gehören, dass die Spieler die Hymne mitsingen. Sie spielen schließlich für die deutsche Nationalmannschaft und nicht für sich selbst. Peinlich genug, dass wir darüber diskutieren müssen, eigentlich müssten die Spieler von selbst darauf kommen!" Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) schlägt noch klarere Töne an: "Zum Länderspiel und zur Nationalmannschaft gehört die Nationalhymne. Wer dazu keine Lust hat, sollte in seinem Verein bleiben."

Doch es gibt auch Gegner der Gesangsverpflichtung. Der Chef der Grünen, Cem Özdemir, findet, dass diese Entscheidung jedem selbst überlassen bleiben sollte. "Ich singe die Nationalhymne mit – andere nicht. Das Schöne an unserem Land ist: Das darf jede und jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt ja schließlich keine Mitsingpflicht. Die entscheidendere Frage ist für mich aber: Wie holen wirendlich auch mal wieder den Titel? Das treibt mich mehr um, als die Frage, wer singt und wer nicht."

Für den neuen alten Europameister Spanien stellt sich eine solche Frage erst gar nicht, "La Marcha Real" verfügt nämlich über keinen offiziellen Text.

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Hymnen-Verweigerung bei der EM: Debatte um Mitsingpflicht für Nationalspieler - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/sport/fussball/em-2012/hymnen-verweigerung-bei-der-em-debatte-um-mitsingpflicht-fuer-nationalspieler_aid_775703.html

(red)

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