Verein haftet für Homophobie seines "Patrons"

EU-Gerichtshof lässt Steaua Bukarest die strengen Beweislastregeln bei sexueller Diskriminierung spüren.

Verein haftet fuer Homophobie
Verein haftet fuer Homophobie
Verein haftet fuer Homophobie – (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ AMA Sports)

Luxemburg/Kom. Er werde, so ließ George „Gigi“ Becali vor Jahren die Öffentlichkeit wissen, niemals einen homosexuellen Spieler einstellen. Becali, der schön öfter mit radikalen Aussagen aufgefallen ist, sitzt im EU-Parlament und gilt als Eigentümer von Steaua Bukarest; er bezeichnet sich gern als „Patron“ des Vereins. Becalis homophobe Äußerung hatte nun ein Nachspiel vor dem Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH). Der lässt den Verein die verschärften Beweislastregeln in Fällen sexueller Diskriminierung spüren: Auch wenn Becali offiziell nicht befugt ist, über Einstellungen beim Verein zu entscheiden, liegt es am Verein zu belegen, dass er keine diskriminierende Einstellungspolitik betreibt.

Die Organisation Accept, die sich dem Schutz von Homosexuellen verschrieben hat, ist in Rumänien gegen Becali und seinen Klub vorgegangen. Der „Nationale Rat für die Bekämpfung der Diskriminierung“ sprach gegen Becali bloß eine Verwarnung aus – in diesem Fall die höchstmögliche Sanktion, weil die schwulenfeindliche Äußerung schon länger als sechs Monate zurücklag. Steaua blieb überhaupt ungeschoren, obwohl sich der Klub nie von Becalis Äußerungen distanziert hat.

Für den EuGH (Rechtssache C-81/12) lassen diese jedoch vermuten, dass der Verein bei der Einstellung von Spielern diskriminierend vorgehe. Diesen Anschein könne er widerlegen, indem er ein „Bündel übereinstimmender Indizien“ vorlege, die dagegensprächen.

 

Baric wollte auch keine Schwulen

Becali ist nicht der erste Fußballfunktionär, der mit homophoben Aussagen von sich reden macht. Auch Otto Baric, einst Trainer bei Rapid, Salzburg und dem ÖFB, hat 2004 als kroatischer Teamchef gesagt, er wolle keine Schwulen in seinem Team haben. Die Uefa verhängte gegen Baric eine Geldstrafe von 1825 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2013)

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