"Leipzig – finanziell wie von einem anderen Stern"

In der zweiten deutschen Bundesliga prallten mit Darmstadt und RB Leipzig zwei Fußballwelten aufeinander.

SOCCER - 2.DFL, Darmstadt vs RB Leipzig
SOCCER - 2.DFL, Darmstadt vs RB Leipzig
RB Leipzig – GEPA pictures

Wie viel Geld Red Bull in die Fußballabteilung von RB Leipzig hineinpumpt, weiß man nicht so ganz genau. Neben dem früheren Zentralstadion rollen jedenfalls die Bagger, das neue Trainingszentrum wird aus dem Boden gestampft, bis Sommer soll es fertig sein. Dort entsteht ein kleines Stadion (Flutlicht-, HD-tauglich), dann werden zehn Trainingsplätze zur Verfügung stehen. Dazu kommt die Nachwuchsakademie, das Profihaus. Und das Internat mit 50 Einzelzimmer. Das alles verschlingt 35 Millionen Euro.

Die Trainingsplätze am Cottaweg verfügen zum Teil über eine Rasenheizung, es gibt auch zwei Kunstrasenplätze. Und man unterhält drei Mädchenmannschaften. Unterm Strich nimmt Leipzig eine Dimension zwischen Taxham und Liefering ein. Errichtet wurde das Areal in einem Naturschutzgebiet, es gibt strenge Auflagen. Und das alles lässt sich am besten beobachten vom „Felix-Magath-Gedächtnishügel“, einem alten Sprinthügel, der inzwischen längst ausgedient hat. Nicht einmal Peter Pacult hat ihn reaktiviert.

Die Leipziger Möglichkeiten sind manchen nicht geheuer. „Leipzig ist von einem anderen Stern“, hat etwa Darmstadts Trainer, Dirk Schuster, vor dem gestrigen Duell mit RasenBallsport Leipzig gesagt. Der Etat seines Klubs beträgt etwa ein Sechstel von dem, was Leipzig geschätzt zur Verfügung hat. Aber Geld allein schießt noch keine Tore. Oder garantiert noch nicht den Aufstieg in die erste Bundesliga.

In Leipzig wird der Verein nach anfänglichen Schwierigkeiten angenommen. Das zeigen auch die Zuschauerzahlen. Mittlerweile gibt es auch schon 17 Fanklubs, für diese Saison hat man 7500 Dauerkarten verkauft. Die Sky-Boxen im ehemaligen Zentralstadion sind ausverkauft, die TV-Verkabelung läuft noch immer durch den damaligen Honecker-Tunnel. Und für das nächste Heimspiel gegen St. Pauli sind auch schon wieder über 20.000 Karten verkauft.

Den sportlichen Durchmarsch hat man bisher geschafft, akzeptiert wird das in der Liga nicht. „Tradition und Moderne“, sagt Sportdirektor Ralf Rangnick. „Früher hat das Hoffenheim getroffen, jetzt uns. Jetzt entzündet sich das eben an Red Bull. Aber auch das wird sich legen.“ Im Sommer wurden vereinzelt sogar Testspiele abgesagt. Aus Protest gegen den „Kommerzklub“.

Darmstadt und Leipzig haben schon im Vorjahr die Klingen gekreuzt. In der dritten Liga. Damals haben die Sachsen beide Spiele mit 1:0 gewonnen. Die Skepsis der Fans in Darmstadt ist geblieben. Schon zu Saisonbeginn haben sie bei der Partie gegen Sandhausen Klopapierrollen auf den Platz geworfen, woraufhin das Spiel sogar kurz unterbrochen werden musste. Damit habe man „gegen das vom Verband gestreichelte Marketingprodukt aus Leipzig“ protestiert. Die vom DFB verhängte Geldstrafe in der Höhe von 4000 Euro haben die Fans übrigens selbst bezahlt.

2. Liga

Ergebnisse: Darmstadt besiegte RB Leipzig (mit Teigl) durch ein frühes Tor von Stroh-Engel (5.) mit 1:0.

Weiters: Kaiserslautern – Bochum (Gregoritsch) 2:2, Aalen – FSV Frankfurt 0:1, Sandhausen (Knaller, Gartler bis 79.) – Nürnberg (Schöpf) 2:1, St. Pauli – Heidenheim 0:3.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2014)

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