Glanzpunkt im grün-weißen Reifeprozess

Champions League. Rapid stellte mit dem fulminanten Sieg gegen Ajax und dem Aufstieg ins Play-off eindrucksvoll die Weiterentwicklung des vergangenen Jahres unter Beweis. Nicht nur der Präsident träumt vom Duell mit Manchester United.

 Jubel in Amsterdam: Rapid träumt nach dem Aufstieg gegen Ajax von der dritten Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase.
 Jubel in Amsterdam: Rapid träumt nach dem Aufstieg gegen Ajax von der dritten Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase.
Jubel in Amsterdam: Rapid träumt nach dem Aufstieg gegen Ajax von der dritten Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase. – (c) REUTERS (UNITED PHOTOS)

Wien. Der magische Abend endete für die Rapid-Spieler erst in den frühen Morgenstunden. Der 3:2-Sieg bei Ajax Amsterdam, der den Einzug ins Play-off der Champions League bedeutete, eröffnete eine grün-weiße Feier, die auf dem Rasen der Amsterdam Arena begann, sich mit Sprechchören und Gesängen während des Heimflugs fortsetzte und im frenetischen Empfang durch hunderte Fans auf dem Flughafen Schwechat gipfelte. „Ein Wahnsinn“, bemerkte Trainer Zoran Barišić angesichts der Massen, die sich zu nächtlicher Stunde eingefunden hatten.

Rapid darf nach dem beherzten und geschlossenen Auftritt gegen den niederländischen Rekordmeister weiter von der dritten Teilnahme an der Gruppenphase nach 1996 und 2005 träumen, wenngleich die Auslosung am Freitag (12 h, live, Eurosport) eine gewaltige Hürde parat hat. Mit Manchester United, Valencia, Leverkusen und Sporting Lissabon stehen vier mögliche Play-off-Gegner bereits fest, der fünfte kam Mittwochabend aus dem Trio Schachtar Donezk, ZSKA Moskau oder Lazio Rom.

 

Die Lehren gezogen

Ein Jahr nach der Enttäuschung gegen Helsinki, als man vorzeitig aus der Europa-League-Qualifikation ausschied, krönte die Rapid-Mannschaft vorläufig ihren Reifeprozess.

13 von 19 Ligaspielen wurden 2015 gewonnen, nun wurde auch international eine Duftmarke gesetzt. „Ajax ist in den vergangenen fünf Jahren viermal Meister geworden. Wenn man da weiterkommt und bedenkt, wo wir vor zwei Jahren waren – das hat uns niemand zugetraut“, meinte Barišić, der von der „größten Leistung und dem größten Erfolg meiner Ära“ sprach. In Amsterdam präsentierte sich seine Mannschaft abgeklärt und kompakt. Dirigiert von Thanos Petsos verlor Grün-Weiß trotz tiefer Position nie die defensive Ordnung und hatte die gefährlichen Ajax-Flügel meist gut im Griff. „Im Hinspiel haben wir nicht gut genug attackiert. Jetzt haben wir uns besser vorbereitet und besser verteidigt, weil wir geschlossen agiert haben“, analysierte Barišić, der trotz allem noch „sehr viel Luft nach oben“ sah.

Zur Freude der 2500 mitgereisten Fans bewies Rapid zudem vor dem gegnerischen Tor absolute Kaltschnäuzigkeit: Aus drei Chancen fielen ebenso viele Tore. Robert Berić traf zur frühen Führung, nach dem Ajax-Ausgleich avancierte Louis Schaub zu Beginn der Rapid-Viertelstunde mit seinem zweiten Treffer zum Matchwinner. Der 20-Jährige hält bei bereits neun Europacuptoren und hat nach dem Mittelfußbruch im Frühjahr endgültig wieder zur Topform gefunden. „Seine Entwicklung geht steil nach oben“, lobt Barišić den Mittelfeldspieler, der noch bis 2017 einen Vertrag hat. Einen baldigen Abschied fürchtet der Coach nicht. „Er ist ganz klar im Kopf und wird keinen Schritt zu früh machen.“

Große Enttäuschung herrschte unterdessen auf niederländischer Seite. „Ajax weint in der Arena“, schrieb „De Telegraaf“ und „Algemeen Dagblad“ prangerte „Kinderfehler“ an. Trainer Frank de Boer steht nach dem verpassten Meistertitel nun stärker denn je in der Kritik. Nicht einmal 21 Jahre waren die Spieler in der Ajax-Startformation im Schnitt alt, die fehlende Routine machte sich sowohl beim Rückstand als auch nach dem Ausgleich deutlich bemerkbar. „Wir hatten keine Erfahrung auf dem Platz, das war eine teure Lektion für uns“, gestand de Boer.

 

„Wir wollen Schweini sehen“

Rapid darf hingegen träumen; das Wunschlos vieler Fans und Spieler für das Play-off sprach Präsident Michael Krammer offen aus: „Jetzt wünschen wir uns Old Trafford, Manchester soll kommen. Wir wollen den Schweini sehen.“ Der englische Rekordmeister ist wohl das schwierigste Los, gleichzeitig aber auch das attraktivste. Diplomatischer gaben sich Trainer und Sportdirektor. „Ich habe davor kein Wunschlos gehabt, und so ist es jetzt auch. Egal, wer unser nächster Gegner ist, es ist ein Traumlos“, sagte Barišić, und Andreas Müller schloss sich an: „Egal, wer kommt, es wird eine geile Aufgabe. Das Happel-Stadion wird voll sein, wir freuen uns darauf.“ Zugleich versuchte der Deutsche, die Euphorie ein wenig zu dämpfen. „Wir haben Ajax ausgeschaltet, müssen aber die Kirche im Dorf lassen. Wir sind krasser Außenseiter.“

Ein Millionenregen ist den Hütteldorfern jedenfalls sicher. Der Aufstieg ins Play-off bringt allein drei Millionen Euro, die Qualifikation für die Gruppenphase würde weitere zwölf Millionen Euro bringen. Der Play-off-Verlierer ist automatisch für die Europa League gesetzt, wofür es immerhin noch 2,4 Millionen Euro Antrittsgeld gibt. Hinzu kommen Einnahmen aus Heimspielen und Punkteprämien.


Champions League Qualifikation

Ajax – Rapid 2:3 (0:2). Tore: Milik (52.), Gudelj (75.) bzw. Berić (12.), Schaub (39., 77.). Rapid mit dem Gesamtscore von 5:4 im Play-off (Auslosung am Freitag, Spieltermine 18./19. bzw. 25./26. August).

Rapid: Novota; Auer, Sonnleitner, Dibon, Stangl; Petsos, Grahovac; Schaub (88. Alar), S. Hofmann (59. Schobesberger), Kainz; Berić (94. Prosenik).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2015)

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