Europa League: Rapid stolpert zum Aufstieg

Erstmals in der Geschichte des Bewerbs qualifiziert sich Rapid im fünften Anlauf für die K.o.–Phase. In Pilsen gewinnen die Hütteldorfer nach zwei Toren von Philipp Schobesberger mit 2:1 – der Siegtreffer lässt staunen.

UEFA EUROPA LEAGUE: FC VIKTORIA PILSEN - SK RAPID WIEN
UEFA EUROPA LEAGUE: FC VIKTORIA PILSEN - SK RAPID WIEN
APA/HERBERT NEUBAUER

Die Ausgangssituation Rapids vor dem vierten Spieltag der Gruppenphase in der Europa League durfte als komfortabel bezeichnet werden. Nach drei Spielen hielt der österreichische Rekordmeister beim Punktemaximum, schon ein Zähler im Duell mit Viktoria Pilsen hätte die vorzeitige Qualifikation für die K.o.-Phase zur Folge gehabt. Trainer Zoran Barisic kam im Vorfeld der Partie in Tschechien dennoch der Aufgabe nach, seine Spieler vor dem Gegner zu warnen. Auf ein Remis wolle er nicht spielen lassen, „die Mannschaft ist nicht so konzipiert.“


Den ersten Glanzpunkt der Partie setzten die Gäste: Nach Pass von Florian Kainz spielte Philipp Schobesberger seinen größten Trumpf, die Schnelligkeit, aus und traf zum dritten Mal in einem Europacup-Spiel (13.). Wenig später hatte Rapids Senkrechtstarter der vergangenen Saison nach sehenswerter Vorlage von Stefan Schwab eine zweite Großchance, schob den Ball aber an Schlussmann Kozacik und dem Tor vorbei. Danach war von den Hütteldorfern offensiv wenig bis gar nichts zu sehen. Pilsen übernahm das Kommando, weil Rapids Spiel an Präzision und das Zweikampfverhalten an Intensität verlor. Die Tschechen kamen dem Ausgleich bedrohlich nahe, Duris (29.), Horava (32.) und Kovarik (38.) vergaben beste Möglichkeiten.


Die zweite Halbzeit begann für Rapid mit einem Schockmoment. Steffen Hofmann schlich langsamen Schrittes vom Rasen, der linke Oberschenkel spielte nicht mehr mit. Für den Routinier kam der zwölf Jahre jüngere Srdan Grahovac, er stellte sich dem tschechischen Publikum mit einem Schuss in Minute 55 vor. Initialzündung war dieser jedoch keine, die Gastgeber blieben dominant, das 1:1 durch den kurz zuvor eingewechselten Jan Holenda fiel mit Ansage (71.). Rapid hatte nun jegliche Kontrolle über das Spiel verloren, der erste Punktverlust in der Gruppenphase bahnte sich an. Doch dann folgte der kuriose Auftritt des Philipp Schobesberger. Einmal mehr enteilte der 21-Jährige der tschechischen Hintermannschaft, steuerte alleine auf Kozacik zu und stolperte dabei über die eigenen Füße – im Fallen gab er dem Ball noch den entscheidenden Anstoß, er kullerte ins Netz – 2:1 (77.). Eine Glanztat Novotas – er reagierte aus vier Metern gegen Duris überragend – ließ Pilsen endgültig verzweifeln (84.).


Rapid bejubelte den erstmaligen Aufstieg in der Europa League und ein Tor, das seinesgleichen sucht. Schobesbergers Grinser war Ausdruck genug: „Es ist egal, wie der Ball ins Tor geht . . .“

GRUPPE E

1. Rapid 4 4 0 0 8 4 12
2. Villarreal 4 3 0 1 8 3 9
3. Pilsen 4 1 0 3 5 6 3
4. Dinamo Minsk 4 0 0 4 1 9 0

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 6.11.2015)

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